Piemont

Piemont

Das Piemont ist kulinarisch eine der spannendsten Region Europas und jedem Genießer ein Begriff. Sei es wegen des berühmten Alba Trüffels, der Haselnüsse oder der Weltklasse Weine aus Barolo und Barbaresco. Dabei hat sich die Region trotz Touristenmassen zur Hochsaison eine gemütliche Urigkeit bewahrt und die Passion der Menschen für ihre handwerklich erzeugten Produkte steht über allem. Neben den kulinarischen und landschaftlichen Reizen beeindruckt das Piemont vor allem durch die Vielfalt, die der Nebbiolo zu bieten hat.
Wir waren dabei besonders angetan, wie dynamisch sich die Region entwickelt und wie viele junge Winzer es zu entdecken gibt. Bei der Auswahl unserer Weingüter konzentrieren wir uns klar auf Betriebe, die den traditionellen Stil pflegen und ihre Weine in großen, gebrauchten Holzfässern oder anderen neutralen Gebinden ausbauen. Denn auch hier gibt es eine atemberaubende Vielfalt an Stilen (Thema Maischekontakt) und durch die Größe der Region auch beeindruckendes Terroir, welches vom Nebbiolo sehr puristisch widergegeben wird.

Langhe und Alba - Die saftigen Trinkweine

Die großen Weine aus dem Barolo und Barbaresco sind für den Ruf des Piemonts verantwortlich, jedoch stilistisch, wie auch preislich nicht für das unkomplizierte Trinkvergnügen geeignet. Zum Glück hat sich mit dem Langhe-Nebbiolo ein Stil etabliert, der sich perfekt eignet, um Weintrinker an die Region heranzuführen. Hierbei handelt es sich um saftige, tänzelnde und puristische Weine mit filigraner Textur und einnehmender Frucht, die den Nebbiolo und seine Herkunft trotzdem wunderbar zeigen. Die Trauben werden mit relativ kurzem Maischekontakt verarbeitet, je nach Winzer sind es zwischen 7 und 14 Tagen, damit die kraftvollen Weine von Frische getragen werden. Der Ausbau erfolgt in Stahl- oder Betontanks, was ebenfalls der Frische und Fruchtigkeit zuträglich ist und erstaunlicherweise dem großen Potential der Rebsorte nicht hinderlich ist. Die besten Langhe-Nebbiolos machen kurz nach der Füllung bereits großen Spaß, können aber auch 10 Jahre und mehr in der Flasche reifen.

Die weiteren autochthonen Rebsorten der Region werden in einer Vielzahl an Stilen ausgebaut, wobei für uns der filigrane Langhe-Stil auch hier am meisten Sinn und Spaß macht. Dann beeindruckt der zarte Dolcetto, der in den 70er Jahren noch die meistangebaute Rebsorte des Piemonts war, mit samtiger Saftigkeit und animierender Beerenfrucht. Aus dem etwas rustikaleren Barbera, die meistangebaute Rebsorte der Region, wird auch versucht, große Weine zu produzieren. Meist bleibt es aber beim Versuch (große Ausnahme: Giacomo Bolognas Bricco dell'Uccellone), denn es fehlt ihm schlichtweg an Noblesse und Komplexität, um in die Sphären des Nebbiolo vorzudringen. Als kerniger Jausen-Wein mit griffiger Textur und dunkler, mürber Würze gefällt er uns am besten.

Barolo - der König

Der Barolo ist einer der großen Rotweine der Welt, an Konzentration, Komplexität und Finesse nur schwer zu schlagen. Die gleichnamige Region liegt in den sanften Hügeln südlich der Stadt Alba. Hier sind die Weinberge von kraftvollen Böden und einem kontinentalen Klima mit starken Temperaturschwankungen geprägt. Das war es dann aber auch an Gemeinsamkeiten, denn die einzelnen Ortschaften und Lagen der Region sind extrem unterschiedlich. Das liegt zum einen an der Höhe, die Lagen reichen von 170 bis 540 Metern über Null. Zum anderen an der Ausrichtung, denn die welligen Hügel schlängeln sich in alle Richtungen und sind inzwischen auch auf den Nordseiten mit Nebbiolo bestockt. Der entscheidende Faktor ist dann aber doch der Boden. In den Ortschaften Serralunga, Monforte und Castiglione Falletto geht die Tendenz zu schweren Kalkmergel-Böden. Hier entstehen kompakte, konzentrierte und engmaschige Weine, mit dunkler Würze und balsamischen Noten, die zu den kernigeren der Region zählen. In den Ortschaften La Morra, Barolo und Verduno stehen die Reben meist auf sandigeren Mergel-Böden, der Kalkanteil ist niedriger und auf den leichteren Böden entstehen luftige und filigrane Barolos, mit feiner Struktur und heller Aromatik. Rebfläche um die 2.000 Hektar.

Was die Barolos in unserem Sortiment eint, ist der Ausbau im traditionellen Stil. Das bedeutet: langer Maischekontakt von 40 bis zu 60 Tagen und bei einigen Winzern zusätzlich das Unterdrücken des Maischekuchens nach Abschluss der Gärung, um so noch mehr aus den Traubenschalen zu extrahieren. Der Ausbau erfolgt für mindestens 18 Monate ausschließlich in großen, gebrauchten Eichenfässern aus slawonischer Eiche. Am liebsten sind den italienischen Winzern mittlerweile die Gebinde des österreichischen Fassbinders Stockinger.

Eine Lagenklassifizierung -wie wir sie vom deutschen VDP kennen- gibt es im Piemont nicht, vielmehr spielen elf definierte Gemeinden (Barolo, Serralunga d'Alba, La Morra, Montforte d'Alba, Faletto, Castiglione, Verduno, Novello, Diano d'Alba, Roddi und Cherasco) die entscheidende Rolle. Seit 2010 gibt es 181 ergänzende geografische Angaben (Menzione Geografica Aggiuntiva) wie z.B: Bussia, Canubi, Brunnate usw. Ein zusätzlicher Lagenname mit den Zusatz "Vigna" kann die Herkunft noch enger fassen, z.B: Barolo Bussia - Vigna Mondoco. Diese offiziellen Bezeichnungen sagen noch nichts über das Qualitäts-Niveau aus - sondern stehen vielmehr gleichwertig nebeneinander. Da viele Lagen aber historischen Ursprungs sind und das Potential sehr wohl bekannt ist, findet eine inoffizielle Hierarchisierung statt und wird vom Weinmarkt mit entsprechenden Preisen abgebildet. Im alltäglichen Umgang hat sich für die Top-Weine auch bereits das Wort "Cru" durchgesetzt.

Barbaresco - die Königin

Wenn der Barolo der kraftvolle König ist, würden wir im Barbaresco die elegante und samtige Königin des Nebbiolo sehen. Die Region stand historisch schon immer im Schatten des südwestlich gelegenen Nachbarn und wird oft als kleiner Bruder bezeichnet. Mit der Wertigkeit der Weinberge und der Qualität der Weine, die heute erzeugt werden, hat diese Einschätzung allerdings immer weniger zu tun. Hier entstehen große Weine, die in Sachen Komplexität und Reifepotenzial keiner anderen Region nachstehen.

Die Grundcharakteristik des Barbaresco ist etwas feingliedriger und von mehr Geschmeidigkeit und Finesse geprägt. Jedoch ist die Lagenvielfalt auch hier sehr groß und die sich windenden Weinberge ergeben über die inzwischen stark ausgeweitete Region einen heterogenen Regionsstil. Die Böden sind ähnlich vielfältig wie im Barolo und wechseln von schweren Kalkmergel-Böden bis zu sandigen Mergel-Böden. Der große Unterschied beim Barbaresco liegt nicht im Boden, sondern in der geografischen Lage. Denn mit der Nähe zum breiten Flussbett des Tanaro bekommen die Lagen um die Ortschaft Barbaresco, aus der auch unsere Winzer stammen, die kühlen Winde der Alpen direkt ab. Steht man in den Lagen Ovello, Pajé oder Rabaja spürt man sofort den frischen Wind, der im quasi windgeschützten Barolo kaum wahrnehmbar ist. Beim Ausbau bleiben wir auch im Barbaresco dem traditionellen Stil treu, mit langem Maischekontakt, großen, slawonischen Holzfässern für den Ausbau und einer langen Reifung bevor die Weine in den Verkauf kommen.

Die Weinberge mit etwa 700 Hektar Rebfläche liegen in den Gemeinden Barberesco, Neive, Treise und in Alba (Ortsteil San Rocco) und wurden in den 1960er im Zuge der DOC Klassifizierung festgelegt, ähnlich wie im Barolo sind Versuche zu einer Lagenklassifizierung gescheitert, obwohl viel überliefertes Wissen da war, welche Lagen die besten Weine hervorbringen. Danach wurden Weinbezeichnung frei erfunden oder von Katasternamen hergeleitet, dieser "Wildwuchs" wurde 2007 mit der Definition von 66 Menzione Geografica Aggiuntiva (ergänzende geografische Angaben) beendet, diese sagen aber nichts über das Potential der jeweiligen Lagen aus.

Die Unterschiede zwischen Traditionalisten und Modernisten haben sich weitgehend erledigt, man hat voneinander gelernt, was Ertragsreduzierung, Kellerhygiene, Mazerationsdauer und Fermentationstechniken angeht. Die klimatischen Veränderungen halfen obendrein die Nebbiotrauben endlich physiologisch reif zu bekommen. Berühmtester Vertreter der Moderne war/ist Angelo Gaja mit Barrique-ausgebauten Barberesci.

Und was macht der Rest?

Auf einer Rebfläche von insgesamt 40.000 Hektar (Stand 2025) werden etwa 300 Mio. Flaschen Wein erzeugt, was in etwa 5% der italienische Weinmenge entspricht. Davon sind allerdings nur 18 Mio. Flaschen (= 6%) Barolo oder Barberesco, die zu 80% exportiert werden. Das Piemont ist groß und topographisch vielfältig, neben 17 DOCG-Gebieten gibt es zusätzliche 42 DOCs. Auch ein Grund warum viele dieser (fast) unzähligen Weine so gut wie unbekannt sind. Die roten Rebsorten sind auf 60% der Rebfläche zuhause, mengenmäßig ist der Barbera mit einem Viertel der Rebflächen tonangebend, qualitätsmäßig am wichtigsten bzw. imagestiftend ist allerdings die Nebbiolo-Traube mit etwa 16% der Rebfläche - aus ihr werden schließlich die berühmten Barolo und Barberesco gekeltert. Außerhalb der zwei berühmten Weinbaugebieten werden sie Nebbiolo d’Alba, Roero oder Langhe Rosso genannt. Daneben ist die Nebbiolo-Traube noch Grundlage -in den international praktisch unbekannten- DOCG-Gebieten: Gattinara, Ghemme und Lessona ganz im Norden der Region, die zusammengefasst auch Alto Piemonte genannt werden, und vor einer Renaisance nach dem Niedergang (aus ehemaligen 40.000 Hektar gibt es heute nur noch 800) stehen. Als dritte Rotwein-Sorte spielt der Dolcetto (mit etwa 7%) ein eher abnehmende Rolle. Unter den Weißweinen dominieren Moscato-Bianco (mit 22%), Cortese (für Gavi) und der Arneis. Neu im Trend liegt die Sorte Timorasso Aber kennen Sie eine der vielen anderen Sorten? Wie: Albarossa, Brachetto, Croatina, Erbaluce, Freisa, Grignolino, Neretto, Pelaverga, Quagliano oder Vespolina.

Geschichte

Die Geschichte des Weinbaus im Piemont reicht bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, als keltisch-ligurische Stämme (u.a. das Volk der Tauriner - daher der Name der Hauptstadt Turin) und später die Römer begannen, Reben anzubauen. Im Römischen Reich in seiner größten Blütezeit wurde Wein in weiten Teilen des Reichs zur Alltagskultur und der Genuss stand vielen Bevölkerungsschichten offen. Wein aus Piemont war zu jener Zeit jedoch nicht auf der Liste der besten italienischen Weine. Der Universalgelehrte Plinius der Ältere erwähnte sie nicht in seiner Liste der besten antiken Weine. Später, im Mittelalter wurde die Weinproduktion hauptsächlich von Klöstern betrieben und der Weinbau wurde unter dem französischen Einfluss des Hauses Savoyen weiterentwickelt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der "moderne" Barolo vom Markgrafen Falleti zusammen mit dem französischen Önologen Louis Oudart und Francesco Staglieno geboren. (sie führten neue revolutionäre Methoden wie die Vergärung in geschlossenen Behältern ein). Dieser trockene Wein wurde zum Lieblingsgetränk des Königshauses, was ihm den Ehrentitel "Wein der Könige" einbrachte. Nach den beiden Weltkriegen, die die Weinwirtschaft schwächten, erlebte das Piemont eine großartige Wiederbelebung und festigte seinen Ruf als eine der bedeutendsten Weinregionen Italiens.

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