Toskana

Toskana

Die Toskana zählt zu den ruhmreichsten Weinregionen der Welt. Sie steht für eine jahrtausendalte Weinbautradition, eine außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt und einige der berühmtesten Rotweine Italiens. Namen wie Chianti Classico, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano genießen international hohes Ansehen.

Die Weinberge des Chianti, die Höhenlagen von Montalcino und die Küstenlandschaft Bolgheris bieten unterschiedlichste klimatische und geologische Voraussetzungen. Um die Weine der Toskana wirklich zu verstehen, lohnt es sich, die Geschichte, Geographie und Terroirs der bedeutendsten Anbaugebiete genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Region umfasst rund 23.000 Quadratkilometer, der Weinbau konzentriert sich dabei vor allem auf die hügeligen Landschaften im Landesinneren und ausgewählte Gebiete entlang der Küste.

Chianti – das historische Herz des toskanischen Weinbaus

Das großflächige Gebiet des Chianti ist geprägt von sanften Hügeln, bewaldeten Höhenzügen, kleinen Tälern und zahlreichen Weinbergen. Innerhalb des DOCG-Gebietes gibt es acht Unterzonen, wie z.B. Rufina, Senesi und Fiorentini. Die klimatischen Unterschiede zwischen den einzelnen Weinbergen und Zonen können erheblich sein. Höher gelegene Parzellen sind fast immer kühler und begünstigen eine langsamere Reifung der Trauben. Die dominante Rebsorte ist der Sangiovese. Der Name Sangiovese wird häufig mit sangue di Giove, also "Blut des Jupiter", erklärt.

In Montalcino und Montepulciano sind die Sommer wärmer und trockener als in vielen nördlicheren Teilen der Region. Gleichzeitig sorgen Höhenunterschiede, unterschiedliche Expositionen und lokale Luftströmungen für ein vielfältiges Mikroklima. Besonders Montalcino bietet eine große Bandbreite an Standortbedingungen.

  • Der Chianti Classico stammt aus dem historischen Gebiet zwischen Florenz und Siena und ist seit 1996 mit strengen DOCG Regeln vom Chianti getrennt, nur er darf mit dem "Gallo Nero" gekennzeichnet sein. Die Produktion unterliegt strengen Regeln, darunter ein Mindestanteil von 80% Sangiovese und eine maximale Ertragsmenge. Die restlichen Prozente im Cuvée stammen oft von Canaiolo oder Merlot. Die Qualitätsstufen umfassen den einfachen Chianti Classico (Annata), die Riserva und die Gran Selezione, mit vorgeschriebenen Reifezeiten von 12, 24 bzw. 30 Monaten. Mit den Unità Geografiche Aggiuntive, kurz UGA, hat Chianti Classico seine Herkunftslogik nochmals präzisiert und in elf geografische Einheiten unterteilt.
  • Brunello di Montalcino – einer der ganz großen Rotweine Italiens. Die kleine Hügelstadt Montalcino ist eng mit dem Aufstieg einer der berühmtesten italienischen Rotweine verbunden: des Brunello di Montalcino. Im 19. Jahrhundert experimentierte die Familie Biondi-Santi mit einer streng selektierten Sangiovese-Variante und entwickelte einen Wein, der durch seine Langlebigkeit und seine ausgeprägte Struktur bestach. 1980 erster DOCG Italiens, seitdem rasanter Anstieg an Fläche und Menge, aber streng kontrolliert vom Consorzio, z.B. immer 100% Sangiovese Grosso (auch Brunello-Traube genannt).
  • Vino Nobile di Montepulciano – Noblesse & Eleganz. Das Gebiet um die Stadt Montepulciano liegt südöstlich von Siena und ist die dritte Region mit großen Sangiovese-Weinen (der hier lokal Prugnolo Gentile heißt). Die Zusatzangaben Riserva (mindestens 3 Jahre Fass- bzw. Flaschenreife) und neu Pieve (engere Herkunft aus 12 UGAs mit strengeren Regeln für Weinberg, Rebsorten und Produktion) stellt keine Qualitätspyramide dar, sondern unterschiedliche Herangehensweisen für guten Wein. Übrigens nicht verwechseln mit Montepulciano d'Abruzzo, einer roten Rebsorte aus der Nachbar-Region.
  • Bolgheri – die internationale Weinregion an der toskanischen Küste in der Provinz Livorno. Das Gebiet wurde besonders durch den Erfolg international geprägter Rotweine und Ihrem großen Mentor - Marchesi Antinori - bekannt. Piero mit Kellermeister Giacomo Tachis (Sassicaia) und später Lodovico Antinori (Ornellaia) entfachten in den 1980er Jahren einen unglaublichen Boom, die "Supertuscans" waren geboren, lange bevor das italienische Weinrecht mit IGT und DOC nachziehen konnte.

Die Böden – der Schlüssel für Charakter im Wein

Innerhalb relativ kleiner Entfernungen wechseln sich Kalkstein, Mergel, Schiefer, Sandstein, Ton und kiesreiche Ablagerungen ab. Diese Unterschiede beeinflussen unter anderem die Wasserspeicherfähigkeit, die Durchwurzelung und die Wärme der Böden:
  • Galestro ist vor allem im Chianti-Classico-Gebiet verbreitet, ein schiefriges und leicht verwitterbares Gesteinsmaterial. Die daraus entstehenden Weine können eine ausgeprägte Säurestruktur, feste Tannine und eine differenzierte Aromatik besitzen.
  • Alberese wird das kalkreiches Gestein bezeichnet, das ebenfalls im Chianti Classico vorkommt. Kalkreiche Böden können die Wasserversorgung und Nährstoffversorgung der Reben positiv beeinflussen. Ihre Wirkung hängt jedoch auch vom Tongehalt und der Tiefe des durchwurzelten Bodens ab.
  • Kies und Sand in Bolgheri - unterscheidet sich deutlich von den steinigen Böden vieler höher gelegener Weinberge im Landesinneren. Generell ergibt das eine gute Drainage und ein warmes Wurzelmilieu. In Verbindung mit dem maritimen Klima eignen sie sich für den Anbau internationaler Sorten wie Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

Die Geschichte des toskanischen Weinbaus

Die Etrusker prägten große Teile Mittelitaliens vom frühen ersten Jahrtausend vor Christus bis zu ihrer schrittweisen Eingliederung in die römische Welt. Über ihre Kontakte zu Griechenland gelangte der Weinbau nach Mittelitalien. Mit der Ausdehnung Roms und der schrittweisen Eingliederung Etruriens in das Römische Reich entwickelte sich der Weinbau weiter. Mit dem Niedergang des Weströmischen Reiches verschwand die Weinbautradition aber nicht. Klöster und kirchliche Einrichtungen trugen dazu bei, den Weinbau zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Florenz zu einem der bedeutendsten kulturellen und wirtschaftlichen Zentren Europas. Die Familie Medici spielte dabei eine zentrale Rolle. Sie förderten Kunst, Architektur, Wissenschaft und Landwirtschaft – der Wein gehörte mit dazu. Ein Meilenstein ist ein Erlass des toskanischen Großherzogs Cosimo III de Medici aus dem Jahr 1716. Mit diesem Erlass wurden bereits bestimmte Produktions- und Herkunftsgebiete festgelegt. Dazu gehörten Chianti, Pomino, Carmignano und Val d'Arno di Sopra.

Das 19. Jahrhundert brachte -wie fast überall- tiefgreifende Veränderungen für die europäische Weinwirtschaft. Eine zentrale Persönlichkeit dieser Zeit war Bettino Ricasoli, er beschäftigte sich intensiv mit dem Weinbau auf seinem Castello di Brolio. Bereits im Jahre 1872 beschrieb er eine Mischung, bei der Sangiovese den wesentlichen Charakter und die Struktur liefern sollte. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gewann der Chianti zunehmend internationale Bedeutung. Der Wein wurde zu einem wichtigen Exportprodukt Italiens, insbesondere in die Vereinigten Staaten und andere europäische Länder. Das traditionelle Bild des Chianti mit der bauchigen, strohumflochtenen Flasche, dem sogenannten Fiasco, wurde zum weltweiten Chianti-Symbol.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Weinproduktion überwiegend auf hohe Erträge und preisgünstige Weine ausgerichtet. Aber bereits 1963 führte Italien ein modernes System geschützter Herkunftsbezeichnungen ein, das legte unter anderem fest, wo die Trauben wachsen müssen, welche Rebsorten verwendet werden dürfen und welche Produktionsbedingungen einzuhalten sind. Dann die Geburt der Supertuscans in den 1970er-Jahren. Einige toskanische Winzer waren mit den damaligen Produktionsregeln unzufrieden. Sie wollten neue Rebsorten einsetzen, andere Mischungsverhältnisse ausprobieren und stärker mit französischen Ausbau-Methoden (Barriques) und Rebsorten arbeiten. Besonders im Bolgheri wurden mit Bordeaux-Rebsorten plötzlich internationale Spitzenweine produziert, jeder kennt sie: Sassicaia, Tignanello, Ornellaia, Solaia und Konsorten.

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