VDP Riesling Große Gewächse 2015 – Rheinhessen

Rheinhessen hat sich in den letzten Jahren unheimlich positiv entwickelt und auch in 2015 gehört die Region nach der Nahe zu den spannendsten und besten für trockene Rieslinge in Deutschland. Trotz des heißen und sehr trockenen Sommers wirkt der Jahrgang in Rheinhessen durchaus kühl und straff. Die Säurewerte sind hoch und der Extrakt eher niedrig – das spielt den etwas wärmeren Weinlagen mit fetteren Böden in die Karten, die mit etwas mehr Körper und Kraft ein harmonischeres Bild abgeben. Hier hat der Rote Hang mit den roten Schieferböden einen leichten Vorteil gegenüber den kargen Kalkböden des Wonnegaus. Aber auch die Weine aus dem südlichen Rheinhessen liefern phantastische Qualitäten ab, sind zu diesem frühen Zeitpunkt aber deutlich karger und noch verschlossener.

Die 2015er Rieslinge sind insgesamt noch deutlich zurückhaltender als beispielsweise der sehr früh schmeichelnde 2014er Jahrgang. Geduld und Flaschenreife ist hier die Devise, dann werden diese grandiosen Weine ihr ganzes Potenzial zeigen.

 

Kühling-Gillot

Riesling Rothenberg „wurzelecht 2015
In der Nase fängt er gleich phänomenal an, dichte rauchige Aromen, fast schwarze Frucht, oxidierte Ananas, Lindenblütenhonig, etwas Asche, wirkt düster uns tiefgründig, ein Wein mit dem man sich richtig beschäftigen kann. Am Gaumen ein ähnliches Bild, eher dunkel und geheimnisvoll, eine mürbe Struktur mit einem feinen Tannin nimmt den Gaumen ein, im Hintergrund eine feine Säure die dem Wein Frische und Finesse gibt, wieder Ananas, dazu etwas Amalfizitrone die lange am Zungengrund hängen bleibt. Sonst eher ein Leisetreter gibt der Riesling vom Rothenberg in 2015 mächtig Gas und beeindruckt mit kraftvoller Struktur und dunkler Aromatik. Bewertung: 18,5+

Riesling Hipping 2015
Mit der Lage Hipping und ihrer oftmals sehr duftigen und fast parfümiert wirkenden Art tun wir uns eigentlich immer schwer, aber im 2015er Jahrgang wurden wir von der Ausgewogenheit und Finesse überzeugt. In der Nase schwankt der Riesling Hipping zwischen reifen exotischen Noten mit Mango, Gewürzen mit etwas Kümmel und einem flroalem touch nach Flieder und etwas Veilchen. Auch am Gaumen mit viel Würze, dicht verwobene Struktur und mit einer dezenten und ziselierten Mineralik, dann kommt auch wieder Exotik durch, Ananas, Zitronenzeste, bleibt durchwegs feingliedrig und sehr animierend. Bewertung: 17,5

Riesling Ölberg 2015
In der ersten Nase eine echte Überraschung, so leichtfüßig und tänzelnd kommt der 2015er Ölberg aus dem Glas, hat etwas Moselhaftes an sich. Sehr klarer frischer Pfirsich in der Nase, leicht reduktiv mit einem leichten Schwefelschwänzchen a la J.J. Prüm, wirkt sehr animierend und anregend. Auch am Gaumen ein eher ungewöhnlicher Ölberg Riesling, wirkt karg und sehr schlank, mürbe Struktur, auch hier sehr leichtfüßig und fast tänzelnd, eine ausgefallener Ölberg der sonst doch eher durch Kraft und Schmelz punktet, kommt hier mit großer Finesse und Feinheit aus dem Glas, sehr Spannend aber auch noch deutlich verschlossener als die anderen Großen Gewächse von Kühling-Gillot. Bewertung: 17,5-

Riesling Pettenthal 2015
Ein reifes Jahr in 2015 und das zeigt die Lage Pettenthal dann auch mit dichtem und äußerst kraftvollem Beginn. In der Nase ein echter Powerwein, reife Banane, dazu etwas süße Mango, kommt mit Luft mächtig auf und zeigt ein tolle Komplexität, mit Minze und Melisse kommen auch kühlere Aromen dazu. Am Gaumen mit sehr feinem und ziseliertem Beginn, ungemein Saftig, auch hier kommt wieder eine mürbe Struktur durch, ein leichter Tannintouch macht den Wein besonders griffig, viel Quitte und Zitrus am Gaumen, bleibt gut hängen und bekommt hinten raus eine subtile Rauchigkeit. Ein Riesling mit Großer Substanz, der sich grandios entwickeln wird. Bewertung: 18,0

 

St. Antony

Riesling Orbel 2015
Der Riesling aus der Lage Orbel springt in 2015 regelrecht aus dem Glas und beeindruckt mit seiner würzig-erdigen Art. In der Nase mit Nelken, Orangezeste und etwas Leder, dazu eine ruhige Erdigkeit, etwas Speck und Muskat, wird dabei aber keineswegs zu Maskulin, sondern immer noch sehr feingliedrig. Am Gaumen mit sehr kernigem Beginn, intensive Mineralik, die fast ein bisschen Schärfe mitbringt, auch hier wieder mit einer leichten Rauchigkeit, etwas Pfeffer, klemmt sich toll rein und bekommt hinten raus sogar einen zarten charmanten Schmelz. Toller Riesling der wieder ein phantastischen Preis-Leistungs-Verhältnis bietet! Bewertung: 17,5

Riesling Hipping 2015
Für uns der stärkste Hipping des Jahrgangs, hat uns auf Anhieb überzeugt! In der Nase eher stark auf der Gewürz Seite mit Nelken, Piment und dazu eine leichte schärfe, fast etwas Curry. Am Gaumen mit Kraft und einem dichten Körper, sehr harmonisch, dazu auch eine gewisse Finesse und ein tolles Mundgefühl, leichte Salzigkeit kommt durch, dann schlägt die Frucht am Gaumen ein, überreife Aprikose, fast etwas Zwetschenröster und dazu wieder viele Gewürze, etwas ausgefallen aber sehr positiver Eindruck mit viel Zug. Bewertung: 18,0

Riesling Pettenthal 2015
Das Große Gewächs aus der Lage Pettenthal wird am Weingut St. Antony im kleinen, teilweise neuen Holzfass ausgebaut. In der Nase ist das Holzfass auch noch sehr im Vordergrund, mit einem laktischen Touch und viel Hefe, dazu kommt dichte Würze und etwas Weihrauch, noch sehr verschlossene Aromatik. Am Gaumen schon etwas harmonischer, etwas Aprikose und reife Melone, wird aber auch schnell cremig und mit dezenter Struktur, erstaunlich weich und brav. Ist noch deutlich verschlossen und am schwierigsten Einzuschätzen. Bewertung: 17,0

 

Wittmann

Riesling Aulerde 2015
Der Riesling Aulerde hat auch in 2015 wieder die expressivste und auffälligste Nase der Großen Gewächse von Philipp Wittmann. Mit reifer Exotik springt es aus dem Glas, Ananas, Maracuja, dazu dann aber auch eine leicht scharfe Komponente mit Inger und dazu etwas Speckbirne. Am Gaumen ist es allerdings die straffsten Aulerde die ich je im Glas hatte, von Anfang an mit extrem viel Zug, dichte und mürbe Struktur mit einem leicht phenolischem Einschlag, der auf der Zunge ein sehr ansprechendes und vor allem langanhaltendes Gefühl hinterlässt, hier ist die Ausprägung etwas grüner, mit Limette, frischer Stachelbeere und Granny Smith. Ein knackiger und animierende Aulerde, die mit Großer Finesse und Frische beeindruckt. Bewertung: 18,0+

Riesling Kirchspiel 2015
Die Lage Kirchspiel ist für mich immer die schüchterne und zurückhaltende Lage von Philipp Wittmann. So ist auch in der Nase schon großes Understatement angesagt, zarte grüne Anklänge, leicht blättrig mit Wacholderblättern und Efeu, Geduld ist gefragt bei diesem zarten Geschöpf. Am Gaumen ein extrem kerniges Bürschchen, kalkig schleift der Wein auf dem Zungengrund entlang, das macht extremen Spaß, ist in dieser frühen Phase aber fast schon schmerzhaft, der Wein braucht noch einige Jahre Zeit um sich selbst entfalten zu können, dann wird es groß! Bewertung: 18,0

Riesling Morstein 2015
Morstein ist die Toplage am Weingut von Philipp Wittmann und inzwischen auch die bekannteste Lage aus Westhofen. Die Lage ist eigentlich sehr groß mit über 100 Hektar, jedoch erbringen die einzelnen Parzellen sehr unterschiedliche Traubenqualitäten. Denn nur die Parzellen, die von einer der Kalkadern durchzogen werden erbringen die Qualität für ein Großes Gewächs. In der Nase reif und erstaunlich expressiv, viel Rauchigkeit kommt durch, dazu exotische Anklänge mit flambierter Ananas, Melone und fast etwas Speckigem, verändert sich mit Luft sehr stark und zeigt eine tolle Komplexität. Am Gaumen mit überbordender Kalkmineralik, zupackend und unnachgiebig, extrem minimalistisch, denn der Kalk erschlägt im positiven Sinne alles anders. Selten das man den Boden der Reben in dieser reinen Form ins Glas bekommt, ganz große Kunst die Philipp Wittmann beherrscht. Bewertung: 19,0

Riesling Brunnenhäuschen 2015
Das Brünnenhäuschen ist die Lage in der Philipp Wittmann die kleinste Parzelle hat, deshalb ist es inzwischen auch das rarste Große Gewächs in seiner Linie. In der Nase beginnt es mit einem süßen gelben Obstkorb, reife Aprikose, dazu etwas gelbe Birne, hat einen leichten Spätlese Charakter in Geruch. Am Gaumen mit einer saftigen Kalkigkeit, die Säure ist hoch und erinnert an den Biss in eine Zitrone, wird von der intensiven Mineralik jedoch sehr gut abgepuffert, die Anlagen sind groß und schon gut zu erkennen, aber auch hier ist ganz klar, dass der Wein noch einige Zeit benötigt um Harmonie zu finden. Bewertung: 18,0

 

Battenfeld-Spanier

Riesling Schwarzer Herrgott 2015
Die Lage am Schwarzen Herrgott ist eine kleine Erhebung an der Grenze zur Pfalz, die aus einem reinen Kalksteinfels besteht. Die Lage liegt etwas verdeckt hinter einer Bruchkante und hat daher nicht so viel Sonne und Regen wie etwa die Lage Frauenberg. Der erste Duft der aus dem Glas strömt ist bereits ein Gedicht, denn die leichte Reduktion macht den Wein so finessenreich und animierend. In der Nase mit etwas Sesam, reife Melone und etwas schwarzem Tee, die typische leicht rauchige und düstere Ader kommt auch durch, komplex und dabei feingliedrig. Am Gaumen wie zu erwarten eher karg und schlank, minimalistische Anlagen und ebenso in der Fruchtausprägung, etwas Zitrus, frischer Ingwer und Quitte, die mürbe Struktur bleibt sehr fein am Gaumen und zieht ihn in die Länge. Bewertung: 18,0

Riesling Frauenberg 2015
Der Riesling Frauenberg von Battenfeld-Spanier wächst auf den steinig-kalkigen Böden des Wonnegaus und ist die am höchsten einzuschätzende Lage des Weinguts. In der Nase ein weicher und einladender Beginn, hochreifer Apfel, etwas Zimt und auch ein Hauch Vanille, schmeichelt und bleibt dabei sehr elegant. Am Gaumen ist es mit einladend dann schnell vorbei, von Anfang an eine dominierende Salzigkeit, wie ein Leckstein, dabei ungemein saftig, erst hinten raus kommt eine dezente mürbe Struktur, pur und ungeschminkt, dem Jahrgang entsprechend eher drahtig aber mit viel Zug ausgestattet. Bewertung: 18,0

Riesling Kirchenstück 2015
Die Lage Kirchenstück ist die Lage mit dem reichhaltigsten Boden, natürlich auch Kalkstein im Untergrund, hier aber mit einer deutlich dickeren Erdauflage. In der Nase sehr Charmant mit reifer Melone, etwas Papaya und Jasmin Tee, dazu kommt etwas Würziges durch mit einem Touch Maggi. Auch hier viel straffe Struktur und eine frische Säure, der Zug und auch die Finesse der anderen beiden GGs ist allerdings nicht da, dafür etwas mehr Schmelz und eine etwas zugänglicher Art. Bewertung: 17,5

 

Keller

Riesling Hubacker 2015
Eigentlich der Einstieg bei den Großen Gewächsen von Keller aber bereits hier ist Großes Riesling-Kino angesagt. Von Beginn an sehr Spannend in der Nase, mit Williamsbirne, Papaya, rauchig-mineralischer Duft, schwankt zwischen kühl und warm und ist dabei sehr animierend und einnehmend. Am Gaumen dann mit bizelig und feinem Beginn, dabei aber doch auch kraftvoll, ein klassischer Keller eben, der es wie immer perfekt schafft Struktur, Mineralik und Kraft zu kombinieren, ein großer Riesling, bei dem der Charme und Trinkfluss nicht zu kurz kommen. Bewertung: 18,5

 

Wagner-Stempel

Riesling Heerkretz 2015
In der Nase etwas kühler mit vegetabilen Noten, etwas Lorbeer, Granny Smith, dazu kommt etwas grüne Papaya und grüne Banane, straffer und sehr mineralischer beginn, packt richtig zu, auch hier ein leicht herber touch, der lang hängen bleibt, stark grüne Ausprägung. Bewertung: 17,0+

Riesling Höllberg 2015
Dunklere Farbe und auch in der Nase deutlich opulenter und reifer, exotisch rauchige Art, dicht am Gaumen, von Anfang an ist ein deutlicher Schmelz da, der aber sehr schön von einer bizeligen Mineralik untermalt wird, sehr viel Quitte, auch hier stark mürbe Art. Bewertung: 17,5

 

Außerdem gut gefallen haben uns:

  • Winter – Riesling Geyersberg 2015 mit 17,5 Punkten
  • Riesling Kloppberg 2015 mit 17,5 Punkten

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