Seit einigen Jahren stattet uns Alf Wimmer vom Weingut Wieninger regelmäßig Besuche in unserer Vinothek ab. Nach hochrangigen Stationen als Sommelier arbeitet Alf mittlerweile seit rund zehn Jahren bei Wieninger und bezeichnet sich dort selbst gern als „Hausmeister“. Einerseits passt das durchaus, denn er weiß über alles Bescheid, was im Stammersdorfer Weingut vor sich geht. Andererseits ist es natürlich klassisches Understatement: Offiziell ist Alf Exportleiter und stimmt darüber hinaus gemeinsam mit Fritz Wieninger die Cuvéetierung der Weine ab – und nimmt so natürlich maßgeblich Einfluss auf deren Stilistik. Aus unserer Sicht ergänzen sich die beiden dabei perfekt. Die Weine haben in den vergangenen Jahren spürbar an Eleganz und Feinheit gewonnen, ohne dabei eine komplette stilistische Kehrtwende zu vollziehen.
Zuletzt war Alf im Februar bei uns in München, um gemeinsam mit uns den neuen Jahrgang zu verkosten. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings noch nicht alle Weine gefüllt – und so standen auch einige Fassproben auf dem Tisch. Fassproben zu verkosten, gehört nicht unbedingt zu den leichtesten Disziplinen. Aromatisch wirken sie gerne etwas gärig, hefig oder mostig und präsentieren sich nicht so geschliffen wie später in der Flasche. Gerade in Sachen Struktur und Textur bekommt man jedoch meist schon einen guten Eindruck davon, wohin die Reise einmal gehen wird.
Eigentlich standen alle 2025er Weine erstklassig da, doch eine Fassprobe stach ganz besonders heraus: der Grüne Veltliner vom Nussberg. Die Nase strahlte eine angenehme Kühle aus, präsentierte sich ruhig, leicht zitrisch, kräutrig und steinig. Am Gaumen zeigte sich der Wein kernig und straff, mit wunderschön lebendiger Säure, kalkigem Grip sowie enorm viel Zug und Druck – und unfiltriert besaß er zusätzlich einen zarten, leicht hefigen Schmelz.
Uns alle hat der Wein sofort gepackt, doch insbesondere Gerhard war wie weggefegt. Noch an Ort und Stelle wollte er Nägel mit Köpfen machen und direkt eine größere Menge einkaufen. Allerdings unter einer Bedingung: Der Wein sollte unbedingt unfiltriert bleiben, weil das Kalkige so harmonisch mit der leicht hefigen Textur einherging. Alf war sofort an Bord und nach kurzer Rücksprache mit Fritz gab es schnell das finale Go.
Vor Kurzem ist der Wein nun bei uns eingetroffen – und selbst wir waren überrascht, dass es tatsächlich der erste Wieninger-Veltliner seit über zehn Jahren ist, den wir eingekauft haben. Natürlich unfiltriert – und in dieser Form exklusiv bei Weinfurore erhältlich.
Wo wächst der Wein des Monats und wie wird er gemacht?

Der Name verrät es, der Veltliner wächst am Nussberg, am linken Donauufer, im 19. Bezirk im Norden von Wien. Der Nussberg bezeichnet in Wien allerdings keine Einzellage, sondern entspricht vielmehr der Ortswein-Kategorie. Hier oben betreibt die Familie Wieninger auch einen gemütlichen Buschenschank, von dem aus man einen fantastischen Blick über die Stadt genießt.
Anders als am Bisamberg auf der gegenüberliegenden Donauseite findet man hier im Boden keinen Löss, sondern vor allem Kalkstein des ehemaligen Wiener Beckens, der geologisch identisch mit jenem am Leithaberg ist.
Für den Orts-Veltliner stammen die Trauben aus zwei Rieden: der Ried Weisleiten und der Ried Serfellner. Während die Serfellner direkt an die Stadt grenzt und nach Südosten ausgerichtet ist, liegt die Weisleiten etwas höher auf einem Rücken und ist weniger stark exponiert. Beide Rieden sind stark kalkgeprägt und weisen massiven Kalkstein im Untergrund auf. In der Weisleiten findet sich zusätzlich etwas mehr Lehm, was den Weinen mehr Reife und Druck verleiht.
Die Rieden werden bereits seit 2008 biodynamisch bewirtschaftet. Für Fritz Wieninger steht die Biodynamie dabei weniger als Ideologie im Vordergrund, sondern vielmehr als langfristige Investition in die Qualität: lebendige Böden, stabile und widerstandsfähige Reben sowie ein natürliches Gleichgewicht im Weinberg.
In großen Teilen entspricht unser Wein des Monats dem „normalen“ Nussberg-Veltliner. Nach einer selektiven Handlese werden die Trauben gerebelt und nach knapp drei Stunden Maischestandzeit gepresst. Nach kurzer Vorklärung wurde der Most spontan im Stahltank vergoren. Ein Drittel wurde anschließend im großen Holzfass ausgebaut, um zusätzliche Komplexität und Tiefe zu erhalten. Die erste kleine Schwefelgabe erfolgte beim ersten Umziehen Ende Januar. Anschließend erhielt unsere Partie – anders als der reguläre Nussberg – keinen weiteren Schwefel und wurde selbstverständlich unfiltriert gefüllt.
Wie schmeckt der Wein des Monats?

Der Wein präsentiert sich mit einem zarten Schleier im Glas und strahlt in der ersten Nase eine angenehme Kühle aus. Zunächst eher ruhig und leicht verschlossen, zeigen sich feine kalkige Noten, Limettenabrieb, Zitronenmelisse neben einer dezenten kräutrigen Frische. Mit Luft gewinnt der Wein zunehmend an Ausdruck und Frucht mit Aromen von Boskop-Apfel und Kiwi, ohne in eine Exotik abzudriften.
Am Gaumen wirkt der Wein kernig und straff, getragen von einer grün-kräutrigen Frucht und kalkigen Grip. Der unfiltrierte Ausbau schenkt ihm zudem einen zarten, leicht hefigen Schmelz und eine feine Cremigkeit. Der Wein besitzt viel Zug und Druck und erinnert an salzig-hefigen Muscadet von der Loire.
Veltliner, Gemischter Satz & Burgunder – Wieninger Kennenlernpaket

Fritz Wieninger gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Weinlandschaft. Als Aushängeschild des Wiener Weinbaus hat er entscheidend dazu beigetragen, dem traditionellen Wiener Gemischten Satz neues Leben einzuhauchen und ihm internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Bekannt wurde Wieninger vor über 20 Jahren allerdings zunächst mit etwas anderem: seine im Barrique ausgebauten Chardonnay und Pinot Noir Grand Select. Damals waren weltweit kraftvolle, von Holz geprägte Weine gefragt – und so zeigte sich auch die Grand Select Linie stets eindrucksvoll, konzentriert und teils opulent.
Seitdem hat sich nicht nur der Zeitgeist verändert, sondern auch Fritz‘ Blick auf den Weinbau. Inspiriert von seiner Zeit in Australien verstand er sich als junger Bursche vor allem als „Winemaker“. Der Keller war sein Revier, dort wurde experimentiert – mit Technik, Extraktion und neuen Fässern. Die Arbeit im Weinberg überließ er anderen; von den klassischen „Weinbauern“ wollte er sich bewusst abgrenzen.
Heute sieht das anders aus. Mittlerweile bezeichnet sich Wieninger selbst mit Stolz als Weinbauer, verbringt viel Zeit in den Reben und versteht die Balance und Gesundheit der Weinberge als Grundlage für Eleganz und Terroirprägung.
Wie deutlich sich dieser Wandel im Stil zeigt, erkennt man besonders gut an den heutigen Grand Select Weinen. Die Trauben werden früher gelesen, die Weine wirken präziser und feiner. Vor der finalen Cuvée wird jedes Fass nochmals einzeln verkostet – und am Ende finden nicht mehr die lautesten, sondern die feinsten Partien ihren Weg in die Spitzenweine. Diese Bewegung hin zu mehr Finesse zieht sich inzwischen durch nahezu das gesamte Sortiment von Wieninger. Wobei Fritz natürlich trotzdem Fritz bleibt – und hier und da auch weiterhin ein markantes neues Holzfass seinen Platz findet.
In diesem Paket erhalten Sie sechs Wieninger Weine 5% günstiger: unseren Wein des Monats, drei Gemischte Sätze vom Nussberg und Bisamberg mit unterschiedlichen Sorten und unterschiedlicher Stilistik sowie den Pinot Noir und Chardonnay Select.
