VDP Große Gewächse 2017 | Reifer Jahrgang mit viel Charme

Mit großer Spannung erwartet, ist der neue Jahrgang der Großen Gewächse nun endlich erhältlich. Wir konnten auf der alljährlichen GG-Präsentation in Wiesbaden bereits einen guten Eindruck des neuen Jahrgangs gewinnen. Auf der vom VDP wieder mal perfekt organisierten Verkostung haben wir in entspannter Atmosphäre fast 300 Große Gewächse verkostet und beschrieben. Unsere Verkostungsnotizen finden Sie bei den jeweiligen Weinen in unserem Online-Shop, im Folgenden möchten wir unsere persönlichen Eindrücke für Sie zusammenfassen.
Eine gewisse Subjektivität dieser Momentaufnahme lässt sich natürlich nicht verhindern, also am besten selbst möglichst viele der GGs verkosten! Dazu haben Sie u.a. am 13.9. bei der GG-Verkostung in unserer Münchner Vinothek die Gelegenheit.

GG ist nicht gleich GG

Vorneweg möchten wir auch einige kritische Worte zu den Weinen und den Auswahlkriterien der Großen Gewächse anbringen. Denn unabhängig vom Jahrgang gibt es leider immer noch zu viele schwache Weine, die das GG-Emblem auf der Flasche tragen dürfen. In den Verkostungs-Flights schwankte die Qualität teilweise von Welt- bis hinunter zur Kreisklasse. Bei der Verteilung der GG-Lagen über die deutschen Weinbaugebiete spielt der Proporz eine zu große Rolle, damit keine Region und kein Winzer leer ausgeht. Die VDP-Mitglieder verkosten ihre Kandidaten aus diesen Lagen dann gegenseitig und entscheiden so über die Anerkennung als Großes Gewächs. Dabei werden offenbar immer wieder mal beide Augen zugedrückt, sonst kämen wir wohl nicht in den „Genuß“ eines Roten Traminers von der Saale – als GG wohlgemerkt.
Um die Strahlkraft des Begriffes Großes Gewächs zu bewahren und weiter zu stärken, sollte in Zukunft noch kritischer ausgewählt werden, was zu den besten Weinen Deutschlands gehört!

2017er Riesling GGs

Jetzt aber zu den erfreulichen Nachrichten: auch in 2017 gibt es wieder reichlich starke Rieslinge und die besten Winzer des Landes haben monumentale Weine in die Flasche gebracht! Insgesamt ist 2017 ein reiferer und kraftvollerer Jahrgang mit etwas mehr Körper und viel Extrakt am Gaumen, dazu kommt aber auch eine knackige Säure, die den Weinen viel Saftigkeit und Trinkfluss gibt. Die Fruchtausprägung ist eher gelb, orange bis teilweise rötlich, häufig mit exotischen Anklängen, die besten Weine zeigen dazu auch kühle Noten und einen kargen Kern. 

Die Nahe und der Rote Hang in Rheinhessen haben die besten Serien des Jahrgangs abgeliefert, den man hier guten Gewissens als großartig bezeichnen kann. Neben den GGs wurden auch fantastische Süßweine produziert. In den anderen Regionen erreichen die Spitzenweine zwar ein ähnliches Niveau, die Qualität ist aber heterogener und der Mittelbau stärker ausgeprägt. Viele Weine sind jetzt schon sehr zugänglich und offen, ja geradezu charmant für Große Gewächse, was zum einen am hohen Extrakt und teilweise an ein paar Gramm Restzucker zu viel liegt. Aber auch diese Weine haben im Hintergrund einen festen Kern, einen feinen Gerbstoff und werden mit etwas Flaschenreife noch deutlich an Struktur und Feinheit zulegen. Die großen Namen zählen auch in 2017 zu den besten Weinen des Jahrgangs, Schäfer-Fröhlichs FelseneckDönnhoffs HermannshöhleKühling-Gillot mit Rothenberg und Pettenthal, Wittmanns Brunnenhäuschen sowie Kellers Hipping und Morstein. Mit geringem Abstand folgenVan Volxem mit Gottesfuss und Pergentsknopp, Wagner-Stempels Heerkretz,Battenfeld-Spaniers Frauenberg und Basserman-Jordans Kalkofen. 

Große Gewächs Probe Wiesbaden

2017er Riesling GGs

Peter Jakob Kühn macht es bereits seit einigen Jahren vor, inzwischen bringen immer mehr Weingüter ihre besten Tropfen erst mit einem Jahr Verzögerung auf den Markt. Von unseren Winzern lassen Gut HermannsbergBürklin-Wolf und ab dem 2017er Jahrgang auch Von Winning (2017er erscheinen im Mai 2019) die Weine für längere Zeit im Holzfass auf der Hefe reifen. Im direkten Vergleich mit 2017 sind die 2017er sehr filigrane Weine mit knackiger Struktur und viel Spannung, die sich insgesamt deutlich verhaltener und kühler präsentieren. Gut Hermannsbergs Kupfergrube und Bürklins Ungeheuer geben den Ton an und zeigen mineralische Kante, straff und mit großer Komplexität, die weit über pure Frucht hinausgeht. 

Weiße Burgunder 2017 & 2016

Knapp fünfzig GGs der Sorten Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay aus 2017 und 2016 waren zur Verkostung angestellt. Auffällig war die durchwegs sehr hohe Qualität ohne nennenswerte Ausreißer nach unten. Die hohe Reife der 2017er ist bei den Burgundern allerdings ausgeprägter als bei den Rieslingen, viel Schmelz und Cremigkeit machen den Jahrgang sehr zugänglich und charmant, lässt bei vielen Weinen aber auch etwas an Struktur und Zug vermissen. So sind unserer Meinung nach nur eine Handvoll Burgunder wirklich groß, viele von ihnen stammen dann auch aus dem knackigeren 2016er Jahrgang. 
Leider war das Teilnehmerfeld nicht vollzählig, allein aus Baden fehlten mit Salwey und Keller zwei der besten Produzenten. Bei den Chardonnays nahm Hubers 2016er Bienenberg eindeutig die Krone mit nach Hause (Schlossberg ist leider nicht angetreten), beim Grauburgunder zeigte Dr. Hegers 2016er Winklerberg die besten Anlagen. DasWeingut Rings hat in Sachen Weißburgunder das nächste Level erreicht und zeigt mit dem 2017er Weilberg, wo die Stilistik in Sachen Finesse und Struktur hingeht: großer Stoff, dem lediglich der Weißburgunder Gips von Aldinger nahekam. 

Spätburgunder GG 2013 – 2016

Bei den Spätburgundern wurden Weine aus den Jahrgängen 2013 bis 2016 gezeigt, wodurch die Vergleichbarkeit mitunter etwas litt – zusätzlich gibt es nach wie vor sehr unterschiedliche Interpretationen dieser Sorte. Auch wenn die Winzer sie selbst als burgundisch bezeichnen würden, gibt es noch viele überreife und überextrahierte Spätburgunder mit zu viel Holz und der typischen deutschen Süße, die mit dem großen Vorbild im Nachbarland kaum etwas gemeinsam haben. Die besten Produzenten haben aber mal wieder gezeigt, was möglich ist: nämlich grandiose Spätburgunder mit Finesse, Tiefgang, Druck und lebendiger Säure, bei denen das Holz perfekt integriert ist. 
Die beeindruckendste Serie in dieser Verkostung hat Becker mit seinen 2015ern gezeigt, durchaus kernig und fast hart, aber eben auch genial mineralisch mit unfassbarem Druck, der Kammerberg lag dabei noch vor Sankt Paul und Heydenreich. Dicht gefolgt vonFriedrich Keller, erstaunlich eleganten Pinots von Julian Huber, der zarten Fürst-Serie und kraftvollen Spätburgundern von Knipser. Klaus-Peter Keller und Benedikt Baltes hatten leider keine Weine zur Probe angestellt, wären aber sicher weit oben mit dabei gewesen. Eine sehr positive Entwicklung hin zu mehr Eleganz und Finesse haben die Weine von Philipp Kuhn und dem Weingut Neus gezeigt, hier ist der richtige Weg eingeschlagen.

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