Weingut Doktor Wunderer – Neu im Sortiment

Flaschen von Dr. Wunderer

Wir haben den ersten Arzt in unserem Sortiment. Dr. Gerald Wunderer ist Landarzt in Straning, einem kleinen Ort im Nordwesten des Weinviertels, dem kühlsten Zipfel der Region nahe der Grenze zum rauen Waldviertel. Die sanft wellige Landschaft erhebt sich hier bis auf knapp 400 Meter – zum Bergdoktor reicht die Höhe zwar nicht ganz, für eines der derzeit spannendsten Veltliner-Projekte aber allemal. 
Genuss spielte für Gerald schon immer eine wichtige Rolle, Wein ganz besonders. Seine Familie führte über viele Jahre ein eigenes Gasthaus. Sein Lebenspartner Matthias Lobner ist Sommelier und Koch – umso weniger überrascht es, dass die beiden nicht lang zögerten, als sich vor ein paar Jahren die Gelegenheit bot, ein Weingut mit knapp acht Hektar Rebfläche in Straning und den umliegenden Orten zu übernehmen. 

Dabei können Gerald und Matthias auf außergewöhnlich fundierte Unterstützung zurückgreifen, wie sie wohl nur den wenigsten Quereinsteigern zuteilwird. Denn niemand Geringeres als Roland Velich, Hannes Schuster und Christian Tschida stehen ihnen mit Rat und Tat zu Seite. Das gemeinsame Ziel: Weine zu erzeugen, die ihre kühle und bisweilen raue Herkunft ungeschminkt widerspiegeln und dabei von Frische und mineralischer Straffheit getragen werden. Besonders neugierig machte uns das Strahlen von Roland, Hannes und Christian, wenn sie über das außergewöhnlich kühle, teils auch karge Terroir und die daraus entstehenden Weine von Gerald und Matthis sprachen. Nach mehreren Verkostungen im Team über einige Tage hinweg stand schließlich fest, dass wir die Weine unbedingt ins Sortiment aufnehmen wollen. Denn Gerald und Matthias keltern Grüne Veltliner in einer Stilistik, die wir so noch nicht im Sortiment hatten: sehnig, energiegeladen und kühl, mit straffer, engmaschiger Struktur und einer herzhaften Würze. Für uns schwingt in den vibrierenden, salzigen Weinen zudem immer auch ein Hauch Burgund mit, das macht Dr. Wunderer zum derzeit heißesten Veltliner-Tipp Österreichs!

In den natürlich begrünten Weinbergen mit Böden aus Granit, Gneis und Löss wird seit Beginn biologisch gearbeitet. Im Keller sieht Gerald dann auch die größte Parallele zwischen Arztpraxis und Weingut: Sauberkeit und Hygiene sind die Grundlage dafür, den Weinen den Raum zu geben, sich möglichst unbeeinflusst zu entfalten. Wie er selbst sagt,  kann man hier „vom Boden essen“. Eingegriffen wird nur, wenn es wirklich nötig ist. Alle Weine werden ohne Temperaturkontrolle spontan vergoren und lang auf Hefe ausgebaut.

Den Kern des Sortiments bilden drei Grüne Veltliner: der kernige Ortswein aus Straning sowie zwei Riedenweine. Während der Ortswein ausschließlich im Edelstahltank ausgebaut wird, kommt bei den Lagenweinen auch großes Holz zum Einsatz. Die Ried Phelling in Röschitz ist besonders im unteren Teil von fruchtbarem Löss geprägt und bringt somit auch den reiferen, charmanteren und vollmundigeren Wein hervor. Der karge, steinige Untergrund der in Straning gelegenen Ried Steinperz formt dagegen einen sehr puristischen, rauchig-kühlen und geradlinigen Veltliner. Obwohl die Weine reif gelesen werden und der Jahrgang 2024 im Weinviertel durchaus warm ausfiel, besitzen sie neben einem zarten Schmelz allesamt eine vibrierende Spannung und bemerkenswert straffe Säure.

Ergänzt wird das Sortiment von Dr. Wunderer durch die florale, duftige Cuvée Pride aus Grünem Veltliner, Sauvignon Blanc und Muskateller sowie durch einen straff strukturierten Rosé von rund 50 Jahre alten  Zweigelt-Reben.
Eine fantastische Gelegenheit, die Weine selbst kennenzulernen, bietet unsere Sommer-Hausmesse am 18. Juli. Gerald und Matthias kommen persönlich nach München und präsentieren ihre Weine gemeinsam mit zwölf weiteren Winzerinnen und Winzern in unserem Hof.

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Weingut Moric – Alte Reben L 2023

Für die einen ist er ein „überwältigender Blaufränkisch mit titanenhafter, mineralischer Kraft“ und mit 100 Punkten der beste österreichische Rotwein aller Zeiten. Für die anderen schmeckt er „dumpf“, besitzt einen „weinfremden Geschmack“ und ist damit seiner „Qualitätskategorie nicht entsprechend“. Was selbst für eine ausgedachte Geschichte übertrieben klingen würde, ist beim 2023er Blaufränkisch Lutzmannsburg Alte Reben vom Weingut Moric tatsächlich passiert. 

Angefangen hat es damit, dass Stuart Pigott, der zu diesem Zeitpunkt noch für James Suckling verkostete, dem frisch gefüllten Wein im September 2025 perfekte 100 Punkte verlieh – eine Ehre, die er zuvor noch keinem anderen österreichischen Rotwein zuteil werden lies. Ähnlich begeistert zeigten sich Verkoster des Falstaff, die den Wein als besten Blaufränkisch des Jahres auszeichneten. Fast zeitglich verweigerte das österreichische Weinbau-Bundesamt dem Wein jedoch die staatliche Prüfnummer. Als Begründung wurden die oben genannten Beschreibungen angeführt. 

Nachvollziehen konnte Roland Velich die Entscheidung nicht. Er reichte den Wein ein zweites Mal ein – mit identischen Ergebnis: Auch im Februar 2026 wurde die Prüfnummer verweigert. Daraufhin verzichtete er bewusst auf einen weiteren Anlauf und machte den Fall kurz vor der VieVinum öffentlich. Den Wein, der nun nicht mehr Lutzmannsburg Alte Reben heißen durfte, präsentierte er dort das erste Mal unter dem Namen Alte Reben L

Für uns gehört der Alte Reben L zu den eindrucksvollsten Weinen, die Roland Velich je gemacht hat. Er verbindet eine enorme Konzentration mit bemerkenswerter Präzision, Frische und Finesse. In der Nase treffen dunkle Frucht und vielschichtige Würze aufeinander. Mit jeder Minute im Glas gewinnt der Wein an Tiefe und eröffnet neue Facetten: Graphit, Blutorange, Nelke, Thymian, florale Anklänge und erdige Nuancen. Am Gaumen zeigt er eine engmaschige, dichte Textur, bleibt dabei aber stets fokussiert und präzise. Der Gerbstoff ist feinkörnig und geschliffen, die Länge enorm. 

Was das Ganze noch unverständlicher macht: die Einzellagenabfüllungen vom Lutzmannsburg Plateau sind stilistisch nicht grundlegend anders, haben die Prüfnummer aber ohne Beanstandung erhalten. Sie dürfen also weiterhin die Namen Maissner, Kirchberg und Schwemmer auf dem Etikett tragen. Alle drei sind unverkennbar Moric, besitzen in diesem Jahr aber ebenfalls einen ausgeprägten individuellen Lagencharakter. Der Kirchberg präsentiert sich filigran und tänzelnd mit kühler, bläulicher Frucht. Der Schwemmer wirkt dichter und kraftvoller, verbindet ätherische Kräuterwürze mit beeindruckender Balance. Der Maissner ist der kompromissloseste Wein, er präsentiert sich noch massiver, ist ausgesprochen würzig und derzeit noch etwas ungestümer in der Struktur. Alle drei besitzen enormes Reifepotenzial und sollten im Trubel um die gestohlene Herkunft des Lutzmannsburgs Alte Reben keinesfalls untergehen.

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