Der neue Jahrgang von Daniel Sigmund ist eingetroffen. Nach gut einem Jahr im Fass sowie einem weiteren halben Jahr im Stahltank kommt nun der Jahrgang 2024 auf den Markt.
Das kleine Weingut in Tschötsch, knapp einen Kilometer südlich von Brixen, führt Daniel erst seit wenigen Jahren. Sein erster Jahrgang war der 2021er – und schon dieses Debüt sorgte für großes Aufsehen. Viele feierten ihn als den Shootingstar Südtirols – und auch wir waren damals sofort begeistert. Nochmals vielen Dank an Carsten Saalwächter, der uns damals den Tipp gegeben hat!
Umso mehr haben wir uns gefreut, Daniel vor gut einem Monat wieder einen Besuch abzustatten, als wir im Rahmen der Summa beim nur wenige Kilometer südlich gelegenen Alois Lageder zu Gast waren. Besonders auffällig war dabei der Unterschied in der Vegetation: Während die Triebe an der Weinstraße teils schon bis zum zweiten Drahtrahmen gewachsen waren, waren Daniels Reben noch kaum ausgetrieben. Denn seine gerade einmal vier Hektar Rebfläche liegen auf steilen, kühlen Höhenlagen zwischen 600 und 820 Metern. Hier wachsen Silvaner, Riesling, Pinot Noir und Portugieser auf Böden aus Granit und Quarzphyllit.
Die Bedingungen im kühlen Eisacktal prägen auch den Stil der Weine: kristallklar, schlank und präzise, mit großer Finesse – und damit grundverschieden vom oft eher fülligen und charmanten Südtiroler Weißwein-Stereotyp.
Das bestimmende Thema unseres Besuchs war natürlich der neue Jahrgang 2024. Im Weinberg stellte er Daniel vor deutlich größere Herausforderungen als später im Keller. Der Sommer verlief ausgesprochen regnerisch, der Herbst blieb über längere Zeit kühl. Die feuchten Bedingungen erforderten eine penible Selektion. Hier erwiesen sich die geringe Größe des Betriebs ebenso wie Daniels enorme Genauigkeit als großer Vorteil. Was letztlich im Keller ankam, war exzellent – und die schlanken Moste wirkten fast wie zugeschnitten auf seinen hochfeinen Stil.
Daniels angenehm überschaubares Sortiment umfasst lediglich vier Weine. In den vergangenen Jahren hat uns eigentlich immer der Silvaner am besten gefallen. Beim aktuellen Jahrgang fällt sofort auf, dass die markante Sesam-Reduktion deutlich leiser ausfällt als zuvor. Stattdessen steht nun eher eine kühle, ätherische Würze im Vordergrund. Am Gaumen wirkt der Wein etwas stoffiger, bleibt durch seine lebendige Säure aber ausgesprochen energiegeladen. Auch in diesem Jahr ist wieder ein feiner Gerbstoff spürbar – nicht zuletzt, weil Daniel ähnlich wie sein guter Freund Carsten Saalwächter mit etwas mehr Druck presst.
Mindestens ebenbürtig, vielleicht diesmal noch etwas stärker, sehen wir allerdings den Riesling. Er zeigt eine wunderschöne Reduktion: Streichholz, heller Rauch, dahinter eine famos kühle, steinig-kräutrige Note. Am Gaumen überzeugt er mit enormen mineralischen Druck und einer salzig-vibrierenden Struktur. Der 2024er ist Daniels bislang bester Riesling. Glücklicherweise konnte er inzwischen einen kleinen zusätzlichen Weinberg übernehmen, weshalb diesmal etwas mehr Menge verfügbar ist als in den vergangenen Jahren. Entsprechend haben wir natürlich alles eingekauft, was wir bekommen konnten. Leider ist auch das immer noch sehr überschaubar.
Hinzu kommen ein federleichter Portugieser, der sich wunderbar zum Grillen eignet, sowie ein fleischig-saftiger Pinot Noir mit komplexen, kräutrig-teeigen Aromen und feiner Struktur.
Gerade beim Pinot zeigt sich, wie kleinteilig und perfektionistisch Daniel arbeitet. Im fertigen Wein sollen unterschiedliche Facetten der Rebsorte erkennbar sein. Deshalb wird beispielsweise eine Partie mit Ganztrauben vergoren, eine andere mit einzelnen Rappen, während die nächste vollständig entrappt und mit Kaltmazeration vinifiziert wird. Ob überschwallt oder lediglich sanft untergestoßen wird, entscheidet Daniel situativ anhand der Sensorik der gärenden Moste. Vielleicht liegt genau darin der Schlüssel zu dieser beeindruckenden Balance.
Dabei arbeitet Daniel heute im Grunde genauso wie von Beginn an. Sein Ziel war es immer, Weine zu erzeugen, die stilistisch zwischen Klassik und Naturwein stehen. „Handwerklich“ nennt er das selbst. Geprägt ist seine Herangehensweise von früher Lese, kompromissloser Handarbeit und einer äußerst präzisen Arbeit im Weinberg, wobei die steilen Lagen ohnehin kaum etwas anderes zulassen. Im Keller setzt er konsequent auf Spontangärung sowie auf ein gut einjähriges Vollhefelager in gebrauchten Holzfässern: große Fässer beim Silvaner, gebrauchte Barriques bei den übrigen Weinen. Anschließend folgen rund sechs Monate im Stahltank, um Fokus und Frische der frühen Lese zu bewahren. Gefüllt wird schließlich ungeschönt und unfiltriert.
Für alle, die die Weine von Daniel Sigmund noch nicht kennen, haben wir ein Kennenlernpaket zusammengestellt: mit je zwei Flaschen seiner Weißweine sowie je einer Flasche der raren Rotweine – 5% Paketrabatt inklusive.
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