Es gibt wieder Champagner! Vor kurzem ist eine Palette von Jean Josselin aus Gyé-sur-Seine eingetroffen. Unser einziger Champagner-Winzer stammt aus einem der südlichsten Orte der Côte des Bar – der Region im Süden der Champagne, die sich in vielerlei Hinsicht deutlich von den nördlicher gelegenen Gebieten unterscheidet. Die Côte des Bar wirkt landschaftlich vielfältiger und kleinteiliger. Zwischen den Reben finden sich immer wieder Waldstücke und Äcker, dazu abseits der großen Zentren eine lebendige Szene kleiner, naturnah arbeitender Winzer. Auch Klima und Böden erinnern hier eher an das nördliche Burgund als an die Montagne de Reims oder die Côte des Blancs. Kein Wunder: Bis Épernay sind es rund 150 Kilometer, bis Chablis dagegen kaum 60. Statt der berühmten Kreideböden prägt hier Kimmeridge-Kalkmergel das Bild. Die wichtigste Rebsorte ist Pinot Noir, der in der Côte des Bar meist kraftvolle, fruchtbetonte und strukturiert Grundweine hervorbringt.
Im Einfluss dieser Paramater erzeugt die Familie Josselin handwerkliche, naturnahe Champagner, deren Stil sie selbst als „un champagne à qui vous pouvez serrer la main“ beschreibt – ein Champagner, dem man die Hand reichen kann. Zugänglich, einladend und trinkfreudig also. Das können wir unterschreiben, würden allerdings ergänzen: Man sollte mit einem durchaus kräftigen Händedruck rechnen.
Denn alle Champagner des Guts besitzen eine zupackende, kalkige Textur und eine feste Struktur. Gleichzeitig versucht Jean-Félix Josselin nicht, den Wettbewerb um den kühlsten, säurebetontesten und vollständig von Frucht befreiten Champagner zu gewinnen. Die Trauben werden vergleichsweise spät gelesen, weil ihm physiologische Reife wichtiger ist als maximale Säurewerte. Alle Weine durchlaufen den biologischen Säureabbau, dazu kommt stets eine kleine Dosage von etwa 1,5 bis 3 Gramm.
Trotz alledem wirken die Champagner von Jean Josselin überraschend puristisch, präzise und balanciert. Ihr Stil definiert sich weniger über Opulenz als über kreidige Spannung, Textur und innere Ruhe.
Der mit Abstand wichtigste Wein ist der Hauschampagner Cuvée des Jean. Typisch für die Côte des Bar besteht er aus 100% Pinot Noir. Den Hauptanteil des aktuellen Dégorgments macht der Jahrgang 2022 aus, doch 25% stammen aus einer Réserve Perpetuelle. Die Cuvée de Jean ist erneut eine überzeugende Visitenkarte, die Würze, Frucht und kalkige Struktur vereint.
Ebenfalls ein reinsortiger Pinot Noir ist der Aux Origines, der in der Einzellage Cornelle Navier an den ältesten Reben des Guts wächst. Nach über viereinhalb Jahren Hefelager präsentiert sich der 2020er Aux Origines in der Nase komplex changierend zwischen reifen zitrischen Noten, hellen Rauch, Brotkruste und nasser Kreide. Am Gaumen zeigt er sowohl eine cremige Fülle als auch einen enormen mineralischen Druck. Beeindruckenderweise schafft er es zugleich kraftvoll und vollmundig als auch kernig und mineralisch zu wirken. All seine Facetten vereint er in Harmonie und Balance.
Der dritte reinsortige Pinot Noir ist der Audace Rosé. Als Rosé de Macération erhält er seine Farbe ausschließlich durch den Kontakt mit den Beerenschalen. Im warmen Jahr 2022 betrug die Maischestandzeit 34 Stunden, weshalb der Schaumwein auffällig dunkel ausfällt. Mit der Farbe gelangen natürlich auch viele Aromastoffe aus den Schalen in den Wein – entsprechend expressiv zeigt sich der Audace mit einer einlandend-saftigen Beerigkeit. Der Charmeur der Linie.
Seit einigen Jahren pflanzt die Familie Josselin verstärkt Chardonnay und Pinot Meunier rund um Gyé-sur-Seine, weshalb inzwischen auch zwei klassische Cuvées entstehen. Contexture verbindet 50% Chardonnay mit 30% Pinot Noir und 20% Pinot Meunier, während Alliance aus 70% Pinot Noir und 30% Chardonnay besteht.
Zu guter Letzt folgt der Les Blancs. Reinsortiger Chardonnay ist eine Seltenheit an der Côte des Bar, aber der Blanc de Blancs ist doch immer der geradlinigste, kreidigste und kompakteste Champagner der Josselin-Range. Zwar besitzt der neue Jahrgang etwas mehr Frucht als das vorherige Dégorgement, dafür ist er am Gaumen sehr drahtig, engmaschig und von vibrierender Salzigkeit getragen. Wer puristische Champagner schätzt, sollte den Les Blancs unbedingt probieren.
Die Gewinner beim Meininger Sektpreis

Es ist keine brandneue Erkenntnis mehr: Deutscher Sekt ist in Teilen Weltklasse. Das zeigen einmal mehr die Ergebnisse des Meininger Sektpreises 2026, der vor wenigen Tagen bereits zum zwölften Mal verliehen wurde. Insgesamt wurden 420 Sekte blind verkostet und anschließend in sieben Kategorien ausgezeichnet. Umso schöner war es für uns zu sehen, dass wir mit unserer Einschätzung nicht allein dastehen und unsere Sektproduzenten erneut zahlreiche Spitzenplatzierungen einfahren konnten. Besonders freuen wir uns über die Auszeichnung „Kollektion des Jahres“ für Anna und Christian Krack. Ihre geradlinigen, kargen Sekte gehören seit Jahren zu unseren Favoriten – auch deshalb, weil die Preise erfreulich fair geblieben sind. So kostet der Rosé Sekt, einer unserer absoluten Lieblingssekte, gerade einmal rund 20 Euro. Der 2022er Jahrgang erhielt beim diesjährigen Sektpreis fantastische 93 Punkte – kein anderer Sekt der Verkostung wurde höher bewertet. Kleiner Tipp: Die Magnumflasche wirkt oft noch etwas eleganter, da sie später dégorgiert wird als die Normalflasche. Von der 2020er Magnum haben wir aktuell noch fünf Flaschen auf Lager.
Ähnlich beeindruckend präsentiert sich der neue Blanc et Noirs von Griesel, der ab sofort die beiden Burgundersekte der Traditionslinie – Blanc de Noirs und Blanc de Blancs – ersetzt. Für den neuen „Einstiegssekt“ kombiniert Niko Brandner Pinot Noir, Weißburgunder, Chardonnay und Pinot Meunier. Bereits die Machart zeigt, warum reine Schaumweinproduzenten gegenüber klassischen Stillweinwinzern oft noch einen deutlichen Vorsprung besitzen – auch wenn letztere inzwischen vereinzelt beeindruckende Sekte erzeugen. Beim Blanc et Noirs arbeitet das Griesel-Team mit mehreren Reserveweinen und einer Réserve Perpetuelle, die bereits seit 2014 geführt wird. Dadurch wirkt der neue Sekt noch etwas „weiniger“ und komplexer als seine Vorgänger. Beim Vinum Sekt Award gewann er direkt die Kategorie der Burgundersekte, und auch bei Meininger spielte er mit starken 91 Punkten ganz vorne mit.
Doch besonders ein Stillweinwinzer durchbricht die Phalanx der Sektspezialisten seit Jahren regelmäßig. Und so verwundert es nicht mehr besonders, dass der Sekt Brut Nature 2019 von Aldinger auch dieses Jahr die Königsdisziplin der Prestige-Burgundersekte für sich entscheiden konnte.
Wenn es um deutschen Schaumwein geht, darf allerdings ein Name nie fehlen: Raumland. Denn Volker Raumland hat mit seinen Sekten die rasante Entwicklung des deutschen Spitzensekts in den 1990er Jahren erst ermöglicht und seither maßgeblich geprägt. Jedes Jahr gehören die Raumland-Sekte zu den feinsten Schaumweinen Deutschlands. Besonders in Sachen Textur setzen sie Maßstäbe, da Volker es sich mittlerweile leisten kann die, Schaumweine extralang auf der Hefe zu belassen. Mit dem 2015er Blanc de Blancs Réserve, einem reinsortigen Pinot Blanc, der über 90 Monate auf der Hefe lag, hat er wieder einmal einen der besten Schaumweine des diesjährigen Wettbewerbs hergestellt.
