{"id":982,"date":"2017-12-08T13:31:03","date_gmt":"2017-12-08T12:31:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weinfurore.de\/blog\/?p=982"},"modified":"2023-05-25T16:53:28","modified_gmt":"2023-05-25T14:53:28","slug":"biowein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weinfurore.de\/blog\/wein-wissen\/biowein\/","title":{"rendered":"Bio, vegan und anderer Hokuspokus"},"content":{"rendered":"<p>Biowein hat sich in den letzten Jahren von der Nische zum Trend gemausert und ist auf dem besten Weg, ein wesentlicher Bestandteil des internationalen Weinanbaus zu werden. Die \u00f6kologisch bewirtschafteten Weinbergfl\u00e4chen werden mittlerweile auf 10-15 % der Gesamtfl\u00e4che gesch\u00e4tzt. Immer mehr Spitzenbetriebe folgen der nachhaltigen Bewirtschaftung der Weingarten und dem schonendem Ausbau im Keller. Ab dem Jahrgang 2012 ist einer EU-Verordnung auch die Produktion &#8211; also der Ausbau im Keller &#8211; geregelt, bis dahin durfte man nur von &#8222;Wein von Trauben aus biologischem Anbau&#8220; sprechen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/www.weinfurore.de\/bioweine\"><b>Hier gehts zu unseren BIO-Weinen<\/b><\/a><\/h3>\n<h3>Bewirtschaftung<\/h3>\n<h4>1. Konventioneller Anbau<\/h4>\n<p>Ziel der konventionellen Landwirtschaft ist die effiziente Produktion von Lebensmitteln und Industrierohstoffen. Zur Produktivit\u00e4tssteigerung nutzt die konventionelle Landwirtschaft jeden sinnvollen technischen Fortschritt, wie Kunstd\u00fcnger, Spritzmittel etc.<\/p>\n<h4>2. Integrierter Anbau<\/h4>\n<p>Anbau Die Integrierte Produktion ist in ihrer Wirtschaftsweise und Ideologie etwa zwischen dem konventionellen und dem \u00f6kologischen Anbau angesiedelt und versucht, ein Gleichgewicht zu finden zwischen \u00f6kologischer Vertr\u00e4glichkeit und Wirtschaftlichkeit. Ziel ist eine standortgerechte, umfassende, m\u00f6glichst naturnahe Bewirtschaftung. Trotz vorhandener Produktionsrichtlinien fehlen wegen der flexiblen Auslegung der Grunds\u00e4tze detaillierte rechtliche Vorgaben und Mindeststandards.<\/p>\n<div id=\"set_of_links\">\n<h4>3. \u00d6kologischer Anbau (BIO)<\/h4>\n<p>Die Begriffe \u00f6kologischer (oder biologischer) Anbau bezeichnen die Herstellung von Nahrungsmitteln auf der Grundlage m\u00f6glichst naturschonender Produktionsmethoden unter Ber\u00fccksichtigung von Erkenntnissen der \u00d6kologie und des Umweltschutzes.&nbsp;So verzichtet die \u00f6kologische Landwirtschaft:<\/p>\n<ul>\n<li>auf alle synthetischen Wachstumsf\u00f6rderer (Kunstd\u00fcnger) und leicht l\u00f6slichen Minerald\u00fcnger. Die N\u00e4hrstoffversorgung der Rebe erfolgt ausschlie\u00dflich \u00fcber Begr\u00fcnung zwischen den Rebzeilen. Es werden Pflanzen verwendet, die in der Lage sind, den Luftstickstoff zu binden (Leguminosen an deren Wurzeln die Kn\u00f6llchenbakterien leben), wie z.B: Klee, Wicke und Wildkr\u00e4uter (Phacelia, Ringelblume, Schafgarbe, Wilde M\u00f6hre, Fenchel, Buchweizen). Diese vielartige Begr\u00fcnung schafft ein stabiles \u00d6kosystem, welches die N\u00e4hrstoffe im Boden aufnimmt und der Rebe zur Verf\u00fcgung stellt. Die Begr\u00fcnung wird gem\u00e4ht und gemulcht oder je nach Stickstoffversorgung auch nur niedergewalzt. Nur falls die so erschlossenen N\u00e4hrstoffe nicht ausreichen, werden noch organische D\u00fcnger, wie Bio-Komposte oder Mist ausgebracht.<\/li>\n<li>auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide (Fungizide, Herbizide, Insektizide). Gegen den echten und den falschen Mehltau werden Schwefel, Tonerdepr\u00e4parate, Fenchel\u00f6l und Kupfer (Bordeauxbr\u00fche) sowie Pflanzenst\u00e4rkungsmittel verwendet. Detaillierte Richtlinien (EG-\u00d6ko-Verordnung 2092\/91) garantieren die Verwirklichung der Grunds\u00e4tze und geben Mindeststandards f\u00fcr die Produktion und Verarbeitung von \u00f6kologischen Erzeugnissen vor. Biowein m\u00fcssen die Bezeichnung &#8222;aus biologischem Anbau&#8220; oder &#8222;aus biologischer Landwirtschaft&#8220; tragen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span id=\"show1\">Detaillierte Richtlinien (EG-\u00d6ko-Verordnung 2092\/91) garantieren die Verwirklichung der Grunds\u00e4tze und geben Mindeststandards f\u00fcr die Produktion und Verarbeitung von \u00f6kologischen Erzeugnissen vor. Bio-Wein m\u00fcssen die Bezeichnung &#8222;aus biologischem Anbau&#8220; oder &#8222;aus biologischer Landwirtschaft&#8220; tragen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"set_of_links\">\n<h4>4. Biologisch-dynamischer Anbau (z.B. Demeter, Respekt)<\/h4>\n<p>Der bio-dynamische Landbau geht auf den \u00f6sterreichischen Antroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) und seine Arbeit: &#8222;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft&#8220; zur\u00fcck und stellt eine Extremform des \u00f6kologischen Anbaus dar. Man begreift die Natur (jeden Weinberg) als lebenden Organismus, der so gepflegt werden kann, dass er sich selbst erh\u00e4lt und im Gleichgewicht ist.&nbsp;<span id=\"show2\"><\/span><\/p>\n<p>Im Unterschied zum \u00d6kologischen Landbau werden zus\u00e4tzlich sogenannte \u0084Pr\u00e4parate\u0093 in hom\u00f6opathischen Mengen verwendet und die &#8222;kosmischen Rhythmen&#8220; vom Mond und Planeten ber\u00fccksichtigt. Eine zentrale Rolle spielt das Pr\u00e4parat Hornmist (setzt die Pflanze in eine bessere Beziehung zur Erde): Kuhdung, der in einem Horn vergraben einen Winter Zeit bekommt, kosmische Kr\u00e4fte zu sammeln, das verr\u00fchren mit Wasser (dynamisieren) der Pr\u00e4parate erfolgt aus \u00dcberzeugung von Hand. Das so \u0084dynamisierte\u0093 Pr\u00e4parat wird zu ganz bestimmten Zeiten auf Wiesen, Feldern und G\u00e4rten fein verspr\u00fcht, damit es energetisch auf Boden und Pflanzen wirkt. So werden die B\u00f6den fruchtbarer, ges\u00fcnder, lebendiger. Daneben die konsequente mehrmalige Pflege der Reben mit Hornkiesel (verst\u00e4rkt die nat\u00fcrliche F\u00e4higkeit von Pflanzen Sonnenenergie aufzunehmen), oder zur St\u00e4rkung der Pflanzen (Schafgarben-, Kamillen-, Brennnessel-, Eichenrinde-, L\u00f6wenzahn- und Baldrianpr\u00e4parate), Spezialpr\u00e4parate wie Schachtelhalm-Tee und die sogenannten Aschenpr\u00e4parate zur Unkraut- und Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft erhebt den Anspruch, durch den Einsatz der Pr\u00e4parate den Pflanzen eine andere spezifische Qualit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. Dieses Konzept weist \u00c4hnlichkeiten zu dem der Hom\u00f6opathie im Bereich der Medizin auf, die dem K\u00f6rper keine direkte Hilfe, sondern &#8222;Hilfe zur Selbsthilfe&#8220; geben will. Bio-dynamische Weinbau ist -kurz gesagt &#8211; mehr als nur das Weglassen von Chemie.<\/p>\n<p>Als absoluter Guru und Pionier des biodynamischen Weinbaus gilt der franz\u00f6sische Loire-Winzer Nicolas Joly mit seinem Weingut Ch\u00e2teau de la Roche-aux-Moines. Joly bemerkt zum biodynamischen System: \u0084Das Paradox der modernen Landwirtschaftslehre, der Wissenschaft im Allgemeinen, besteht darin, dass man zwar sehr viel wei\u00df, aber kaum verstanden hat, wie das alles miteinander zusammenh\u00e4ngt\u0093. Die Wissenschaft ist bem\u00fcht aber Fakten nachzuliefern, das Darmst\u00e4dter Institut f\u00fcr Biologisch-Dynamische Forschung berichtet, dass die Artenvielfalt, die Menge von Mikroorganismen und der Humusgehalt der bewirtschafteten B\u00f6den schon nach einigen Jahren biologisch-dynamischen Anbaus signifikant ansteigt.<\/p>\n<h3>Weinverarbeitung<\/h3>\n<p>Im Februar 2012 trat eine EU-Verordnung mit genauen Regeln f\u00fcr die Produktion von Biowein in Kraft. Bisher konnten Biowinzer auf dem Etikett lediglich &#8222;Wein von Trauben aus biologischem Anbau&#8220; angeben, da es keine Regeln f\u00fcr die Vinifikation gab. Die zul\u00e4ssigen H\u00f6chstmengen f\u00fcr Sulfite (Schwefel) wurden dabei im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Weinen weiter gesenkt (siehe unten). Auch alle Zusatz- und Behandlungsstoffe (Hefen, Sch\u00f6nungsmitteln, Traubensaftkonzentrat) m\u00fcssen nachweislich biologisch und ohne Gentechnik hergestellt sein. Folgende physikalischen Verfahren sind in der Biowein-Produktion verboten: Kryo-Extraktion (Weinkonzentration mit Hilfe von K\u00e4lte), Physikalische Entschwefelung, Elektrodialyse zur Weinsteinstabilisierung, teilweise Entalkoholisierung, Einsatz von Kationentauschern zur Weinsteinstabilisierung. Mit Einschr\u00e4nkungen zugelassenen sind physikalische Verfahren wie die Erhitzung von Trauben, Maische, Most und Wein bis zu 70\u00b0C, Membranfilterung mit Filterkerzen bis zu 0,2\u00b5m Porengr\u00f6\u00dfe und Umkehrosmose zur Mostkonzentration. Es gibt eine Aufzeichnungspflicht \u00fcber die eingesetzten Zusatz- und Behandlungsstoffe w\u00e4hrend der Most- und Weinbereitung.<\/p>\n<h3>Schwefel und Kupfer<\/h3>\n<p><strong>Enthalten Bio-Weine Schwefel?<\/strong>&nbsp;Bei der Herstellung von Wein wird Schwefeldioxid als Konservierungsmittel und zur Stabilisierung des Weines eingesetzt. Schwefel hemmt Mikroorganismen wie Hefen und Bakterien und verhindert, dass Wein im Kontakt mit dem Sauerstoff in der Luft den Geschmack ver\u00e4ndert. Es gibt Weine, denen kein zus\u00e4tzlicher Schwefel zugesetzt wurde, die Haltbarkeit dieser Weine ist nicht eindeutig nachgewiesen, wird aber in vielen Naturweine gerade &#8222;ausprobiert&#8220;. Auch diese Weine enthalten allerdings geringe Mengen an nat\u00fcrlichem Schwefel, die die Traubenschalen mitbringen. Alle gut wirtschaftenden Weing\u00fcter achten auf gesundes Lesegut, schonende Verarbeitung und behutsamen Ausbau und k\u00f6nnen so die Schwefelzugaben minimieren.<\/p>\n<p>Gesetzlich festgelegte H\u00f6chstmenge an Sulfiten (Schwefeldioxid) im Wein (gemessen als schweflige S\u00e4ure):<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr Bio-Weine gilt:\n<ul>\n<li>Bei Rotwein 100 mg\/l unter 2 g\/l Restzucker bzw. 130 mg\/l dar\u00fcber<\/li>\n<li>Bei Wei\u00df- und Ros\u00e9wein 150 mg\/l unter 2 g\/l Restzucker bzw. 180 mg\/l dar\u00fcber<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>F\u00fcr herk\u00f6mmliche Weine gilt:\n<ul>\n<li>Bei Rotwein 175 mg\/l unter 5 g\/l Restzucker bzw. 225 mg\/l dar\u00fcber<\/li>\n<li>Bei Wei\u00df- und Ros\u00e9wein 225 mg\/l unter 5 g\/l Restzucker bzw. 275 mg\/l dar\u00fcber<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Faustregel gilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Rotweine enthalten weniger Schwefel als Wei\u00dfweine<\/li>\n<li>Trockene Weine enthalten weniger Schwefel als liebliche<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Kupfer und Schwefel auch im \u00f6kologischen Weinbau?<\/h4>\n<p>Der \u00f6kologische Weinbau verfolgt das Prinzip, die Pflanzen durch Pflanzenst\u00e4rkungs- und Pflegemittel in ihrer Widerstandskraft zu st\u00e4rken, denn je st\u00e4rker die Pflanze ist, desto ges\u00fcnder ist sie auch. Dennoch gibt es Krankheiten, gegen die\u0084kein Kraut gewachsen ist.&nbsp;<span id=\"show4\">Pilzerkrankungen wie der Falsche Mehltau (Peronospora) und der Echte Mehltau (Oidium) k\u00f6nnen zu einem totalen Ernteausfall f\u00fchren. Bei hohem Infektionsdruck h\u00e4lt nur Kupfer (Bordeauxbr\u00fche) den Falschen Mehltau in Schach. Da sich aber Kupfer im Boden anreichert und die Enzymaktivit\u00e4t des Bodens massiv st\u00f6ren kann, dringen die \u00d6koverb\u00e4nde darauf, Alternativen zu finden und Minimierungskonzepte zu entwickeln. Trotz intensiver Forschungen sind jedoch keine echten Alternativen in Sicht.<br \/>\nAls H\u00f6chstwerte d\u00fcrfen maximal 3 Kilogramm Kupfer pro Hektar und Jahr eingesetzt werden. Die EU-\u00d6ko-Verordnung erlaubt aber 6 Kilogramm.<br \/>\nGegen den Echten Mehltau hilft am schnellsten Schwefel, als Netzschwefel ausgebracht. Zusammen mit abwehrst\u00e4rkendem Wasserglas (Kiesels\u00e4ure) oder auch Fenchel\u00f6l f\u00fcr eine bessere Benetzung ist er besonders wirksam. Sehr wirkungsvoll ist Natriumbicarbonat, gut bekannt als Backpulver. Auch einige Pflanzenextrakte wie Kr\u00e4uterausz\u00fcge aus Schachtelhalm oder Kn\u00f6terich zeigen gute Wirkung gegen Echten Mehltau.<\/span><\/p>\n<h4>Bio-Verb\u00e4nde und G\u00fctesiegel:<\/h4>\n<p>BIO Ernte Austria, ECOvin, Demeter, Bioland, Naturland, Respekt.<\/p>\n<h3>Vegane Weine<\/h3>\n<p>Grunds\u00e4tzlich entsteht Wein durch die Verg\u00e4rung von Traubensaft, also aus pflanzlichen Rohstoffen, und ist dadurch ein veganes Produkt. In der Weinerzeugung sind zur Kl\u00e4rung und Sch\u00f6nung allerdings Hilfsmittel wie H\u00fchnereiwei\u00df, Milchprodukte (Kasein) oder Gelatine von Tieren\/Fischen zugelassen. Eine allgemeine Deklarationspflicht f\u00fcr diese tierischen Hilfsstoffe besteht leider nicht, nur die Eiwei\u00dfsch\u00f6nungen muss ab Jahrgang 2012 f\u00fcr Allergiker deklariert werden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biowein hat sich in den letzten Jahren von der Nische zum Trend gemausert und ist auf dem besten Weg, ein wesentlicher Bestandteil des internationalen Weinanbaus zu werden. Die \u00f6kologisch bewirtschafteten Weinbergfl\u00e4chen werden mittlerweile auf 10-15 % der Gesamtfl\u00e4che gesch\u00e4tzt. Immer mehr Spitzenbetriebe folgen der nachhaltigen Bewirtschaftung der Weingarten und dem schonendem Ausbau im Keller. 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