{"id":972,"date":"2006-05-07T17:01:49","date_gmt":"2006-05-07T15:01:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weinfurore.de\/blog\/?p=972"},"modified":"2021-06-02T10:49:53","modified_gmt":"2021-06-02T08:49:53","slug":"oesterreichische-weingeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weinfurore.de\/blog\/wein-wissen\/oesterreichische-weingeschichte\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreichische Weingeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Das burgenl\u00e4ndische Zagersdorf im Bezirk Eisenstadt kann f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, das m\u00f6glicherweise \u00e4lteste Weindorf \u00d6sterreichs zu sein (Nat\u00fcrlich wird st\u00e4ndig weitergeforscht und weitere noch \u00e4ltere Funde z.B. bei Stillfried im Weinviertel best\u00e4tigen die M\u00f6glichkeit, dass bereits in der Sp\u00e4tbronzezeit Wein bereitet wurde). Denn in einem Grabh\u00fcgel aus der Hallstattzeit, etwa um 700 v. Chr. angelegt, wurden Traubenkerne entdeckt, die eindeutig der Kulturrebe&nbsp;<em>vitis vinifera&nbsp;<\/em>zugeordnet werden konnten. Es gilt als sicher, dass die Volksgruppe der Kelten, die damals und noch Jahrhunderte sp\u00e4ter unter anderem diesen Raum und die heutige S\u00fcdsteiermark besiedelte, bereits wusste, das man Trauben nicht nur zum Essen verwerten kann.<!--more--><\/p>\n<h4>Die R\u00f6merzeit<\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"bildrechts alignright\" src=\"https:\/\/www.weinfurore.de\/images\/geschichte1.jpg\" alt=\"Weingeschichte \u00d6sterreich - Die R\u00f6merzeit\" border=\"0\"\/>Mit den R\u00f6mern kamen 15 v. Chr. Innovationen im Weinbau \u0096 und eine Nachfrage wie nie zuvor. Sowohl die Garnisonen entlang der Grenze der neuen Provinz Noricum in den Ostalpen als auch die neu aufbl\u00fchenden St\u00e4dte wie Carnuntum mit 70.000 Einwohnern und Vindobona, das heutige Wien, verlangten nach Wein. Becher, Trinkschalen, Kr\u00fcge und Flaschen und sogar die Reste einer Weinpresse aus jener Zeit wurden von Arch\u00e4ologen zutage gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>In den Wirren der V\u00f6lkerwanderung und auch innerlich geschw\u00e4cht, gaben die R\u00f6mer gegen Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. Noricum auf (es fiel sp\u00e4ter an die Franken, dann an die Slawen und Awaren). In dieser unruhigen, langw\u00e4hrenden Phase der V\u00f6lkerwanderung kam der Weinbau fast zum Stillstand, starb aber nicht g\u00e4nzlich aus.<\/p>\n<h4>Mittelalter<\/h4>\n<p>Erst Karl der Gro\u00dfe (742- 814), der \u00fcber ein Gebiet von Friesland bis Ungarn gebot, konnte die politische Situation konsolidieren und auch den Wein in seiner Ostmark wieder beleben. Reisende Experten (eine fr\u00fche Form der &#8222;Flying Winemakers&#8220;) brachten Weinwissen und neue Reben. Ihm und dem ber\u00fchmten Traktat &#8222;Capitulare de villis&#8220; ist es zu verdanken, dass nicht nur die Traubenpresse eingef\u00fchrt, sondern die Rebsorten neu klassifiziert wurden: Was als gut erachtet wurde, erhielt den Namen &#8222;fr\u00e4nkisch&#8220; und der Blaufr\u00e4nkisch wird in \u00d6sterreich noch heute angebaut.<\/p>\n<h4>Fr\u00fche Neuzeit<\/h4>\n<p>In der Folge gingen bedeutende Impulse von der Kirche aus. W\u00e4hrend im Westen des Landes, von Salzburg, K\u00e4rnten und Tirol bis in die Wachau, bayrische Kl\u00f6ster und Bisch\u00f6fe ihren Einfluss geltend machten und Weing\u00e4rten \u00fcberall pflanzten, wo Trauben gedeihen konnten, waren es im Burgenland Zisterzienserm\u00f6nche aus dem Burgund, die neue Ideen und neue Rebsorten verbreiteten. Der Weinbau d\u00fcrfte damals eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von einigen 100.000 Hektar gehabt haben.<\/p>\n<p>Schon vor Jahrhunderten wurde \u00f6sterreichischer Wein bis in den baltischen Raum exportiert. Mit dem Handel kamen Wohlstand und Qualit\u00e4tsbewusstsein. Die Stadt Rust am Neusiedlersee wurde zu einem wichtigen Zentrum f\u00fcr edels\u00fc\u00dfe Weine. Zum Teil war er bereits qualit\u00e4tsorientiert, wie die wohl erste offizielle Trockenbeerenauslese der Welt verdeutlicht. Gelesen wurde sie &#8222;im Gebirge von Donnerskirchen&#8220; im Jahr 1526 &#8211; so die Inschrift in einem alten Fa\u00dfboden. Eine Familie Gruber machte die Arbeit, Nutznie\u00dfer aber war &#8211; wie vielfach in dieser Zeit &#8211; der Adel, dem die Weing\u00e4rten meist geh\u00f6rten. Urkundlich lie\u00df sich der bemerkenswerte S\u00fc\u00dfwein bis ins Jahr 1852 verfolgen, denn in diesem Jahr, immerhin 326 Jahre sp\u00e4ter, wurde &#8211; mit entsprechender Ehrfurcht &#8211; das letzte Glas dieses historischen S\u00fc\u00dfweines getrunken.<\/p>\n<h4>17. Jahrhundert<\/h4>\n<p>Das 17. Jahrhundert war keine gute Zeit f\u00fcr die Weine Europas. Das Aufkommen des Bieres, steigende Z\u00f6lle und die Folgen des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges hatten zur Folge, dass viele Weing\u00e4rten aufgelassen wurden. Die Steuern zu jener Zeit, besonders hoch, um leere Staatskassen zu f\u00fcllen, wurden sinnigerweise auch &#8222;Ungeld&#8220; genannt. Als sich gerade eine Besserung der Situation abzuzeichnen schien, fielen 1683 die ottomanischen Armeen in den Osten \u00d6sterreichs ein, um Wien zu belagern.<\/p>\n<h4>18. Jahrhundert<\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"bildrechts alignright\" src=\"https:\/\/www.weinfurore.de\/images\/geschichte2.jpg\" alt=\"Weingeschichte \u00d6sterreich - Das 18. Jahrhundert\" border=\"0\"\/>Im 18. Jahrhundert schafften zwei au\u00dfergew\u00f6hnliche Herrscher endlich Abhilfe. Kaiserin Maria Theresia (1717\u00961780) vereinheitlichte die Besteuerung und half, den Weinbau in ihrem Reich wieder aufzubauen. Unter der Regierung ihres Sohnes Kaiser Josef II. wurde 1784 ein Dekret erlassen, das dem sonst zu Unrecht wenig beliebten Herrscher einige Anerkennung verschaffte und eine \u00f6sterreichische Institution schuf oder doch legalisierte. Das Gesetz erlaubte Bauern, die eigene &#8222;Fechsung&#8220;, die hofeigenen Produkte wie Brot, K\u00e4se und nat\u00fcrlich auch Wein im eigenen Haus zu verkaufen und zahlenden G\u00e4sten zu servieren. Der Heurige war geboren.<\/p>\n<h4>19. Jahrhundert<\/h4>\n<p>Nach einer Zeit der Bl\u00fcte folgte die gr\u00f6\u00dfte Katastrophe, die der europ\u00e4ische Weinbau je erlebt hat. Ein K\u00e4lteeinbruch im 19. Jahrhundert, die aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten (<em>Oidium<\/em>,&nbsp;<em>Peronospora<\/em>) sowie die sich gegen Ende des Jahrhunderts explosionsartig verbreitende Reblauskatastrophe verw\u00fcsteten ganze Weinbaugebiete. Der erste Direktor der Weinbauschule Klosterneuburg f\u00fchrte allerdings eine wirksame Methode zur Bek\u00e4mpfung der Reblaus ein.<\/p>\n<p>Noch im selben Jahrhundert wurden in den Weinbauzentren \u00d6sterreichs Weinbauschulen (Klosterneuburg 1860, Krems 1874, Retz 1893, Silberberg 1895, Gumpoldskirchen 1898, Mistelbach 1898) gegr\u00fcndet, die einen wichtigen Schritt in Richtung Qualit\u00e4tsverbesserung und Existenzsicherung bewirkten.Hier konnte erstmals auch die theoretische Seite des Weinbauernhandwerks erlernt werden, w\u00e4hrend Forschungsprojekte sich mit der Z\u00fcchtung neuer Rebsorten und der Optimierung der Arbeit in Weingarten und Keller besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<h4>20. Jahrhundert<\/h4>\n<p>F\u00fcr den Weinbau war die Zeit um den Zweiten Weltkrieg insofern bedeutend, als das deutsche Weingesetz mit seinen Klassifizierungen auch in \u00d6sterreich eingef\u00fchrt wurde und w\u00e4hrend der Besatzungszeit die Altweinbest\u00e4nde gr\u00f6\u00dftenteils geleert oder zerst\u00f6rt wurden, ein Echo von Napoleons Armee, die \u00d6sterreichs Keller schon einmal leer getrunken hatte. Im Geiste des Wiederaufbaus w\u00e4hrend der Nachkriegszeit wurden vor allem die alten Strukturen des Weinbaus durch Rationalisierung und Mechanisierung ge\u00e4ndert. Die Umstellung auf Hochkulturen (Lenz Moser) erm\u00f6glichte den Einsatz moderner Ger\u00e4te und die Steigerung der Produktivit\u00e4t.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"bildrechts alignright\" src=\"https:\/\/www.weinfurore.de\/images\/geschichte3.jpg\" alt=\"Weingeschichte \u00d6sterreich - Das 20. Jahrhundert\" border=\"0\"\/>Die j\u00fcngste Geschichte des Weinbaues ist durch einen zweifachen Neuansatz gezeichnet: Von offizieller Seite ist ein gezieltes Streben nach h\u00f6chsten Qualit\u00e4ten auch gesetzlich verst\u00e4rkt verankert worden, w\u00e4hrend eine neue, international orientierte und weit gereiste Generation von Winzern sich oft eigene, noch strengere Bestimmungen auferlegt, um internationale Spitzenweine zu produzieren.<br \/>\nAuch \u00d6sterreichs EU-Beitritt hat hier seine Wichtigkeit: Die \u00d6ffnung der M\u00e4rkte hat sich positiv auf Export und damit auf den Ehrgeiz der Winzer ausgewirkt. Diese Faktoren zusammen sind mit ein Grund des \u00f6sterreichischen Weinwunders, das aus einer langen und starken Tradition neue und erstaunliche Weine hat wachsen lassen. Der leistungsf\u00e4hige, genau kontrollierte Weinbau erbringt heute qualitativ h\u00f6chstwertige und international anerkannte Weine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das burgenl\u00e4ndische Zagersdorf im Bezirk Eisenstadt kann f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, das m\u00f6glicherweise \u00e4lteste Weindorf \u00d6sterreichs zu sein (Nat\u00fcrlich wird st\u00e4ndig weitergeforscht und weitere noch \u00e4ltere Funde z.B. bei Stillfried im Weinviertel best\u00e4tigen die M\u00f6glichkeit, dass bereits in der Sp\u00e4tbronzezeit Wein bereitet wurde). 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