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Weinglossar: Jahrgang 2009

Statistisch betrachtet war der Winter eher durchschnittlich. Doch einige echte ,,Wärmeperioden" wurden von eisigen, kalten Phasen abrupt abgelöst. An Feuchtigkeit mangelte es jedenfalls nicht. Und auch das Frühjahr hatte es diesbezüglich in sich. Es war der feuchteste März seit es meteorologische Aufzeichnungen gibt. Soviel Regen verlangte dann im April das andere Extrem. Trocken und warm verlief der sonst meist launenhafte Frühlingsbote. Da war es nur umso verständlicher, dass sich der sogenannte ,,Wonnemonat" Mai gar nicht an seine Bezeichnung hielt. Viel zu kühl und niederschlagsreich ließ er die ganzen Launen der Natur verspüren. Hagel verursachte erstmals in einigen Gebieten einen ungewollten Ausdünnungs-Effekt.

Frühe Blüte - frühe Lese
100 Tage von der Blüte bis zur Lese, so lautet eine alte Bauernregel. Nachdem in manchen Gebieten die Blüte schon Ende Mai einsetzte, konnte man bereits zu diesem Zeitpunkt auf eine frühe Lese hoffen. Doch in einigen Regionen wurde die Blütephase durch kühle Witterung hinausgezögert und die Beeren konnten nur unzulänglich befruchtet werden, was zu Verrieselungsschäden führte.

Sommer der Extreme
,,Soll gedeihen Korn und Wein, muss im Juni Regen sein." Im Osten des Landes fiel in 48 Stunden mehr Regen, als sonst im ganzen Monat, und in der Steiermark wüteten Hagelunwetter. Der Juni schaffte es, in Bezug auf Niederschläge und Wetterkapriolen nochmals eine Steigerung zu präsentieren. Überflutungen und Hangrutschen waren die Folge von Rekordniederschlägen.
Der Rebstock benötigt zwar eine gewisse Feuchtigkeit in der Vegetationsperiode. 2009 waren die Witterungsverhältnisse aber zu extrem. Auch der Juli schwankte zwischen (kurzen) Hitzeperioden und Katastrophenalarm. Vor allem das ,,Weltuntergangs-Unwetter" am 23. Juli in Wien wird vielen lange in Erinnerung bleiben. In ganz Österreich mussten die Feuerwehren noch nie so oft ausrücken, wie in diesem Sommer, noch nie hatte die Hagelversicherung so viele Schäden zu verzeichnen, wie im Jahr 2009. Der Sommer der Extreme - mit Unwettern, Überflutungen und Vermurungen, Blitzeinschlagsrekorden und drückend heißem Tropenwetter kannte kein Mittelmaß. ,,Viel zu nass und deutlich zu warm", vermerkten die Meteorologen trocken.

Herbstliche Versöhnung mit Reife, Frucht und Aromatik
Als wollte die Natur nach all den Unbillen des Vegetationsjahres wieder etwas gutmachen, zeigte sich die Witterung im September, ja bis Anfang Oktober, großteils von ihrer schönsten Seite. Der ,,Altweibersommer" ließ den Saft in den Beeren auf natürliche Weise konzentrieren und die Zuckereinlagerung war enorm. Dort, wo doch regnerisches Intermezzo zu verzeichnen war, mussten die Fäulnisnester bei der Lese penibel aussortiert werden.
Heiße Tage und kühle Nächte schafften es, dass bei Österreichs Paradesorten die charakteristischen Aromen in den Beeren bewahrt wurden. Mit heißen, spätsommerlichen Temperaturen bis 28 °C begann der Wettlauf mit der Witterung, denn wer bis zum 8. Oktober seine Lese nicht abgeschlossen hatte, musste mit einem frühen Wintereinbruch, Schnee, Regen und Sturm kämpfen.

Spitzenprodukte in weiß, rot und süß
Die Weißweine des Jahrgangs 2009 zeigen eine perfekte Kombination von Reife, Fruchtfülle und Komplexität, bei optimaler Struktur. Selektion bei den roten Sorten sind wir ja gewohnt, und diese Auslesearbeit im Weingarten und im Presshaus gehört ganz einfach dazu, um Spitzenqualitäten zu erzielen. Dennoch war es im Vergleich zum Jahrgang 2008 bei weiten nicht so aufwändig. Zusätzlich ermöglichte es der Bilderbuchherbst, konzentrierte Farbe und Frucht mit Extraktsüße, Tannin und Dichte zu vereinen. Aber auch die Süßweinspezialisten kamen heuer nicht zu kurz: der eine oder andere Regen zum richtigen Zeitpunkt ließ auch die Botrytis (Edelfäule) sprießen, und die wärmeren Temperaturen in der zweiten Oktoberhälfte brachten zur Qualität auch Quantität. Von der Spätlese bis zur Trockenbeerenauslese erfüllte sich jeder Prädikatsweinwunsch. Und auch die Eisweinwinzer wurden noch vor Weihnachten - nicht nur im Mekka Großriedenthal - mit einer intensiven Frostperiode beglückt. Keine ganz großen Mengen, aber wirklich große Qualitäten konnten eingebracht werden.

Klein, aber fein
Mit 235 Millionen Liter liegt die Erntemenge allerdings doch unter dem langjährigen Durchschnitt, versöhnt uns aber dafür mit besten Qualitäten. Weine mit Struktur und Charakter, Reife und Pikanz rechtfertigen wahrlich die Aufnahme in die Reihe der legendären 9er Jahrgänge.
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